Nr. 19/2012 vom 10.05.2012

Präzisionsgewohnte

Wie viele Zeitbomben ticken in den Schränken schweizerischer Wehrmänner? Das Gemeine ist ja, man weiss es nicht. In der «SonntagsZeitung» wird der zuständige Divisionär zum Fall von 27 000 verschütt gegangenen Datensätzen befragt und zitiert: «Bis jetzt haben wir rund 6300 eingezogen. Dazu kommen die 710 pendenten Fälle mit persönlichen Waffen und 200 Leihwaffen. Damit sind wir am Ende bei rund 7500 Waffen.» Angesichts solcher Rechenkünste muss man mit 290 überzähligen oder unterzähligen Waffen rechnen, oder auch mehr oder auch weniger; es reicht aber bestimmt für ein kleines Terrornetz.
Jürg Fischer

Verunmöglichte

Gäbe es nur noch einen Konjunktiv, erschlösse sich der Sinn vieler Sätze nicht mehr. Trotzdem steht der Konjunktiv I, der für die indirekte Rede gemacht ist, stark unter Druck, auch im «Tages-Anzeiger»: «Während es einige SVP- und BDP-Politiker bei einer losen Zusammenarbeit bewenden lassen möchten, können sich andere vorstellen, was bisher ein Tabu war: eine Reunion. ‹Ein Zusammenschluss ist zwar heute kein Thema›, meint Hassler. ‹Was in zehn Jahren ist, ist aber völlig offen.› Tatsache sei, dass es zu viele bürgerliche Parteien gäbe.» Wenn es dann zu viele bürgerliche Parteien gäbe, schliessen wir messerscharf, ist jede bürgerliche Partei eine zu viel.
Jürg Fischer

Gespeichte

In der Broschüre zum hundertjährigen Bestehen der Offenen Rennbahn Oerlikon schreibt der Nationaltrainer von Swiss Cycling, Daniel Gisiger: «Marvulli und Marguet werden sich anstrengen, um sich Dillier, Imhof, Keller, Perizzolo, Thiéry und selbstverständlich anderen Jungen, welche die Zähne gewetzt haben, zu widersetzen.» Dazu meint Leser K.: «Hoffentlich laufen sie danach höchstens auf den Felgen und nicht etwa auf den blanken Zahnhälsen.»
Jürg Fischer

Variantenreiche

In einem Artikel zum Thema «Die meisten Unterschiede zwischen Mann und Frau gäbe es ohne den Einfluss der Gesellschaft nicht» auf «NZZ Online» finden wir diese denkwürdige Passage: «Das klingt ein bisschen vage? Richtig. Das klingt nicht nur wage, das ist es auch.» Denn jede präzisere Formulierung wäre zu gewagt.
Jürg Fischer

Überraschende

«Sebastien N. kam nicht weit. Nachdem er im Niederdorf einen Mann durch einen Schuss schwer verletzt hatte, wurde er in Hamburg festgenommen», lasen wir auf «Tages-Anzeiger Online». Eine Zugreise von Zürich nach Hamburg finden wir, ehrlich gesagt, schon ganz schön weit. Wie N. die Strecke in weniger als 24 Stunden geschafft hat, obwohl er zu fast 95 Prozent auf die Deutsche Bahn angewiesen war, ist uns allerdings ein Rätsel.
Karin Hoffsten

Übermüdete

«Und jetzt zu den Verlierern des Tages, den Konservativen, da werden nicht ganz so viele Fahnen geschwingt», sprach Moderatorin Katja Stauber am Sonntagabend in der «Tagesschau» auf SF 1. Wen wunderts? Schwingerkönig von Frankreich wurde schliesslich der Sozialist. Dabei habe, fuhr die Moderatorin fort, Nicolas Sarkozy «vor zwei Wachen angekündigt, er werde kämpfen wie ein Löwe». Offenbar hat auch Frau Stauber ein paar aufregende Wachen hinter sich.
Karin Hoffsten

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