Nr. 20/2012 vom 17.05.2012

Verschärfte I

«Anton Güntensperger molocht, schwitzt und trinkt Kafi heilig», lasen wir im «Tages-Anzeiger». Da der freundliche Herr Güntensperger keineswegs als Moloch beschrieben wurde, ahnten wir, dass er beim Malochen in Schweiss geraten sein musste. Das geht aufs Jiddische zurück und bedeutet «schwer arbeiten». Damit können wir den Katalog weitverbreiteter orthografischer Irrtümer um das Molochen erweitern. Schon lange darin vertreten sind das Schmöckern in Büchern, das Sponsorn von Konzerten und das Nachhacken, wenn man etwas genauer wissen will. Doch weil wir keine Rüppel sind, drehen wir niemandem daraus einen Strik.
Karin Hoffsten

Verschärfte II

Diese unsere nachsichtige Haltung wird allerdings laufend schweren Prüfungen ausgesetzt; im nämlichen «Tages-Anzeiger» steht: «Aber der Carparkplatz ist bis heute ein Carparkplatz geblieben. Und dies, obwohl er hier provisorisch platziert und vor zwanzig Jahren – provisorisch – um das Grundstück des geschliffenen AJZs erweitert worden ist.» Hier erweist sich die deutsche Sprache definitiv als ungeschleifter Diamant.
Jürg Fischer

Selbstreferenzielle

Entschwundene Buchstaben machen Redaktionen immer wieder das Leben schwer, diesmal der SBB-Publikation «Via»: «Kaffe und Kuchen beschreibt das Angebot des ‹Caffè Eppinger› nur unzureichend.» Das kann man wohl sagen, doch Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung.
Jürg Fischer

Verfärbte

Auf «NZZ Online» verfolgten wir die Kontroverse um die Tennissandfarbe in Madrid, wobei wir auch etwas über die Kunst des Färbens lernten: «Damals, als die Färbereien ihre Stoffe noch im Offenen zum Trocknen aufhängten, reagierte das grün-gelbe Gewebe an der Luft und färbte sich blau – dem Sauerstoff wegen.» Vorm neuen Blau hatten die Spitzenspieler eindringlich gewarnt – einige begründet, denn trotz der Beteuerung seitens der Organisation «Für die Spieler ändert sich von den Eigenschaften des Balgs her nichts» verloren Nadal und Djokovic früh. Aber weil ja die jeweiligen Gegner auf demselben Balg siegten, sind wir sicher: Das war nicht dem Sand, sondern dem Mentalen wegen.
Karin Hoffsten

Vorgeschichtliche

Wie der Berufsverband der Schweizer Ärzteschaft zu seinem jeweiligen Präsidenten kommt, enthüllte der «Tages-Anzeiger»: «Der politisch beschlagene FMH-Präsident lenke mit seinem Wissensvorsprung jedoch die Meinungsbildung in diesem Gremium und gebäre sich als König, kritisieren seine Gegner.» Die Praxis des sich selbst gebärenden Königtums vermuteten Historiker bisher ausschliesslich im alten Mesopotamien und beim Volk der Olmeken, sesshaft im Gebiet des heutigen Mexiko.
Karin Hoffsten

Philosophische

«Kehrt man aus solchen Momenten als den zurück, den man war, bevor dieser Moment kam?», fragte Kollege Max Küng im «Magazin». In diesem Fall wohl kaum. Obwohl es weiter vorn im gleichen Heft geheissen hatte: «Der französische Staatschef ist nach Angela Merkel der mächtigste Mann in der EU.» Was, einmal mehr, nicht nur die Kasus-, sondern auch die Genusgrenzen auf einen minimalen kleinen Unterschied reduziert.
Jürg Fischer

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch