Nr. 23/2012 vom 07.06.2012

Kurz fremdgeschämt

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Neulich hielt der Innerrhoder Kabarettist Simon Enzler im «Kassensturz» auf SF 1 eine Packung Migros-Geflügelfleischkäse in die Kamera und zeigte auf einen Aufkleber mit durchgestrichenem Schweinchen.

Meistens stehe ja drauf, was drin ist, sagte Enzler, aber hier stehe mal drauf, was nicht drin ist, nämlich Schwein. Dann begann er, aufzuzählen, was ebenfalls garantiert nicht in diesem Geflügelfleischkäse zu finden sei, jedoch vergessen worden sei: Walfisch, Opossum, Eisbär und noch vieles mehr.

Ich zappelte derweil zu Haus vor dem Fernseher rum und dachte: Weiss ers wirklich nicht? Jeden Moment rechnete ich damit, dass jemand im Studio von hinten beschwörend raunt: «Simon, Siiimon – hör auf!» Denn dieser Aufkleber hat auch mich schon erheitert: Hi hi, hö hö, kein Schwein drin – ist der Aufkleber für Analphabe…? Schluck. Nein.

Damals dämmerte mir, dass es sich lediglich um verantwortungsbewusste KonsumentInneninformation in einer offenen Gesellschaft handelt, wo Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen leben und nicht alle das deutsche Wort «Schwein» kennen. Im Internet las ich übrigens, dass es in der Branche nicht unüblich ist, Geflügelprodukten Schweinefleisch beizumengen, was auch NichtmuslimInnen stört. Und Simon Enzler mag ich immer noch.

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