Nr. 26/2012 vom 28.06.2012

Der gläserne Mensch

Von Karin Hoffsten

Datenschützer zu sein, stelle ich mir grässlich vor: die ganze Zeit den Spielverderber machen und die Leute warnen. Dabei tun die doch nichts lieber, als sich fotografieren zu lassen; ob nüchtern, verladen, bekleidet oder nackt – Hauptsache, das Foto steht im Internet.

Bisher war wenigstens nicht immer klar, wer sich da grade zum Affen macht. Doch nun erkennt eine neue Software Gesichter nicht nur allgemein, sondern wird jedes Gesicht, wenn es einmal gespeichert wurde, selbst in Menschenmengen und aus verschiedenen Blickwinkeln identifizieren können. Wie ich in der Sendung «10 vor 10» gelernt habe, bringt Informatikprofessor Thomas Vetter in Basel dem Programm gerade bei, wie es ein Porträt auf drei Dimensionen umrechnet.

Nun gehöre ich nicht zu jenen Personen, die jede Spur ihres Daseins im Internet zu verwischen suchen; ich habe aber auch noch keine Pyros in Fussballstadien gezündet, und beim internationalen Terrorismus halte ich mich zurück.

Doch das in der Sendung genannte Beispiel, wie die Software einst kommerziell genutzt werden könnte, liess mich schaudern: «Ein Kunde betritt ein Kleidergeschäft, der Computer erkennt ihn und informiert die Verkäuferin über seinen letzten Einkauf, der zehn Jahre zurückliegt.» Nur schon aus modischen Gründen muss das verhindert werden!

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