Nr. 36/2012 vom 06.09.2012

PrimaPrimaPrima

Von Karin Hoffsten

PrimaPrimaPrima

«Nestlé und Unilever reagieren auf die neue Armut in Südeuropa mit einer Differenzierung des Angebots», las ich in der Zeitung. Oho, dachte ich, das sind ja frohe Nachrichten aus unerwarteter Ecke. Popularly Positioned Products oder PPP nennt sich die Strategie, was grob übersetzt «allgemein verbreitete Produkte» meint, all das also, was der Mensch braucht, wenn er satt, sauber und einigermassen adrett sein will. PPP werden dort jetzt billiger, dachte ich, vielleicht organisieren die Grosskonzerne ja sogar Transporte in den Süden mit allem Neuen, das bei uns im Abfall landet. Ein Shampoo wäscht die Haare auch nach dem Ablaufdatum.

Fehlanzeige! Wie in Indien schon lange werden jetzt auch in Südeuropa all jenen, deren Tagesbudget für grosse Packungen nicht reicht, winzige Einzelportionen verkauft. «Wir verdienen trotzdem ordentliches Geld», wurde ein Unilever-Chef zitiert.

Weil Lebensqualität bei schmalem Budget auch hierzulande gefragt ist, arbeitet manche Branche an entsprechenden Angeboten: Kriminalromane aus Schweden, 27 Bände à zwölf Seiten zu je 3.70 Franken; drei Wochen lang ins Kino, täglich zehn Minuten «The Dark Knight Rises» für zwei Franken/Tag; an vierzehn Tagen je zwanzig Gramm Entrecote medium, gleichbleibende Qualität garantiert, nur 5.80 Franken / Tag. Das kann sich jedeR leisten.

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