Nr. 47/2012 vom 22.11.2012

Mitbestimmung

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Mitbestimmung

Die Parteichefin der deutschen Grünen soll kürzlich gesagt haben: «Direkte Demokratie kann auch mal schiefgehen!» Daran musste ich denken, als ich für nächsten Sonntag den Stimmzettel ausfüllte.

Im Kanton Zürich muss ich zum Beispiel über die Prima-Initiative befinden, ein Gesetz zur flächendeckenden Einführung der Grundstufe. Das ist dieses flexible Gebilde zwischen Kindergarten und Schule, das jedem Kind zwischen vier und acht Jahren gerecht werden soll. Seit ich mal gehört habe, dass Kindergartenkinder in der Schweiz nicht lesen lernen dürften, weil es sie überfordere, bin ich für die Grundstufe. Wo wäre ich heute, wenn ich nicht schon mit fünf bei meinem Opa das Lesen gelernt hätte?

Da rief eine Freundin, die sich auskennt, entsetzt: «Bloss nicht! Bei der flächendeckenden Grundstufe musst du Nein stimmen! Wähl den Gegenvorschlag, da kann jede Gemeinde selbst entscheiden, ob sie die Grundstufe einführen oder beim Kindergarten bleiben will. Wenn sie gezwungen werden, gibts ein Chaos – es hat nämlich überall zu wenig Geld und Personal für eine Änderung.»

Also A Nein und B Ja? Und wenn beides durchkommt, B? Oder zweimal Ja? Und wenn beides durchkommt, A? Oder doch A Ja und B Nein? Und wenn, dann vielleicht … Ach je. Dabei will ich doch nur, dass Kinder, die lesen lernen wollen, es auch dürfen.

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