Nr. 47/2012 vom 22.11.2012

Ausdrucksstarke

Hat man dann und wann Zeit in einem ärztlichen Wartezimmer zu verbringen, kommt man in den Genuss, Periodika zu lesen, die man sonst kaum zur Kenntnis nimmt. Dabei lohnt sich etwa «Geo» durchaus, mindestens die Novemberausgabe mit dem Artikel «Der Untergang der deutschen Sprache?». Der wird nämlich im Editorial so angepriesen: «In ihrer Titelgeschichte hat sich Johanna Romberg einem unschätzbaren Plus an sprachlicher Ausdrucksfähigkeit und situationsgerechter Kommunikation angenommen: der Dialekte.» Wir hoffen auf eine Fortsetzung im Dezemberheft mit dem Titel: Der Dativ ist dem Genitiv sein situationsgerechter Ersatz.
Jürg Fischer

Affirmative

«Das kam im unteren Wallis nicht gut an: Noch vom Ja des Stimmvolks zur Zweitwohnungsinitiative verstimmt, fühlte sich das Ja der Mutterpartei zum Raumplanungsgesetz wie ein Verrat an», meinte der «Tages-Anzeiger» online. Jaja, auch ein Ja ist nur ein Mensch. Fühlt es sich von anderen Jas verraten, kann es sehr emotional reagieren.
Jürg Fischer

Konvertible

«Die Landeswährung Rial hat innert den letzten zehn Monaten im Verhältnis zum Dollar 300 Prozent an Wert verloren», rechnete die NZZ in einem Bericht aus Teheran. Wir sind nun weiss Gott keine WährungsspezialistInnen, aber wenn wir einen Tipp abgeben sollten, dann meinen wir: Investieren Sie im Iran, da kriegen Sie dreimal mehr raus.
Jürg Fischer

Ungefähre

Ebenfalls in der NZZ war zu lesen: «Federer äussert sich zu seiner Planung freilich noch ausgesprochen wage.» Was ist denn schon dabei?, fragen wir. Tatsächlich ist Federer doch nach wie vor einer der Wägsten.
Jürg Fischer

Giftelnde

Das «Bieler Tagblatt» berichtet: «Insbesondere ‹unverhältnismässig offensives, aggressives Werben und Betteln› sowie ‹öffentlich sichtbares Rauchtrinken in Ansammlungen› widersprächen der kantonalen Gesetzgebung …» Vielleicht kommt die kantonale Gesetzgebung bei dem Tempo nicht mehr mit, in dem sich neue Formen der Berauschung entwickeln. Kaum wird man das Rauchtrinken in den Griff bekommen, ist schon mit dem Spritzen von Pilzsuppen zu rechnen.
Jürg Fischer

Telepathische

Zum Glück werden auch die Rettungsmassnahmen immer differenzierter und effizienter. So lasen wir auf «20 minuten Online»: «Sie leisten beispielsweise Reanimation am Telefon bis die Einsatzkräfte vor Ort sind.» Wir stellen uns eine neutrale Stimme vor, die sagt: «Für Verkehrsunfälle drücken Sie die Taste 1 … dieses Gespräch kostet 3 Franken 82 Rappen pro Minute», oder ein Endlostonband mit «Killing me softly».
Jürg Fischer

Letztwillige

Vielen verschlägt das Schicksal die Worte, aber nicht allen, wie etwa den VerfasserInnen dieser Todesanzeige in der «Basler Zeitung»: «Er verstarb am vergangenen Donnerstag nach langer und mit Bewunderung getragener Krankheit.» So dürfte der Bemitleidenswerte gegen Schluss gedacht haben: Ich ziehe den Hut, du bist echt stärker als ich.
Jürg Fischer

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