Nr. 50/2012 vom 13.12.2012

Ausstellung

Wasserpower

Mit der vom Bund angepeilten Energiewende sind Pläne für den Bau von Wasserkraftwerken wieder aus den Schubladen gezogen worden. Dies ist ökologischer Irrsinn, da die Wasserkraftnutzung für sensible Ökosysteme eine grosse Gefährdung darstellt. Der Fotograf Christian Helmle ist den grossen europäischen Flüssen entlanggegangen und hat die Wasserkraftwerke fotografisch festgehalten. «Waterpower» heisst der Bildband, der die Fotografien versammelt. Sie sind geordnet nach Flüssen: Es beginnt beim Rhein, geht weiter mit Fotografien von der Donau und vom Po und schliesst mit Bildern von der Rhone. Zu sehen ist der ökologische Irrsinn in Form von eindrücklichen Staumauern inmitten felsiger Berge und wunderschönen Häusern mit Stuckatur und grossen Bogenfenstern, in denen Maschinen rattern. Die Bilder des Buchs sind zurzeit in Basel in einer Ausstellung zu sehen.
Ausstellung «Waterpower» in: Basel Galerie Oslo 8, Fr, 14. Dezember bis Sa, 26. Januar 2013 (Galerie vom 18. Dezember bis 5. Januar 2013 geschlossen). Öffnungszeiten: Fr/Sa 14–18 Uhr. Vernissage mit Buchpräsentation, Do, 13. Dezember 2012, 18 Uhr. 
www.oslo8.ch

Silvia Süess

Werkstattbesuch

Was geschieht eigentlich in einer Kupferdruckwerkstatt? Wie sieht eine solche überhaupt aus? Mathias Gentinetta hat vor zehn Jahren die Druckwerkstatt in Zürich aufgebaut, in der seither eine grosse Anzahl Radierungen, Kupferstiche, Drucke und anderes entstanden sind. Nun öffnet der Drucker seine Werkstatt: Während eines Wochenendes wird der Raum zur Galerie und zur Werkstatt in einem: Arbeitsprozess und Ergebnisse können gleich vor Ort angeschaut werden. Zu sehen sind Originaldrucke von über zwanzig KünstlerInnen sowie die eindrücklichen Maschinen, die für das Handwerk benötigt werden.
Werkstattausstellung in: Zürich Kupferdruckwerkstatt Mathias Gentinetta, Eglistrasse 8, Sa, 15. Dezember 2012, 14–17 Uhr, 
So, 16. Dezember 2012, 11–16 Uhr. 
www.kupferdruckwerkstatt.ch

Silvia Süess

Theater

Postkapitalismus für AnfängerInnen

Frühzeitig übt sich, wer auch in Zukunft ein ehrenwertes Gesellschaftswesen sein will: In seinem Stück «Not my Piece» bietet der Performer Martin Schick dazu eine überaus konkrete Handlungsanweisung. Seine Versuchsanordnung antizipiert mögliche Verteilungsmechanismen für eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus.
Die von Schick entwickelte sogenannte «half-bread-technique» funktioniert über das Teilen: Man gebe einfach immer die Hälfte des eigenen Besitzes an Bedürftige weiter. Die tägliche Anwendung dieses Prinzips kann in «Not my Piece» erlernt werden. Also denn: Vor dem Besuch der Vorstellung im Theaterhaus Gessnerallee zu Hause schon mal schön ordentlich den persönlichen Besitz registrieren – und dann vorschriftsgemäss halbieren!
Wem das bis auf weiteres noch zu anspruchsvoll erscheint, der versuche es an Schicks Kiosk vor dem Stall 6 im Theaterhaus, wo noch bis zum 17. Dezember 2012 Teile Griechenlands käuflich zu erwerben sind – zur Rettung des freien Theaters Vyrsodepsio in Athen.
«Not my Piece – Postcapitalism for Beginners» in: Zürich Theaterhaus Gessnerallee, Do–Sa, 13.–15. Dezember 2012, 20 Uhr. www.gessnerallee.ch

Adrian Riklin

Kunst

Das DNA-Projekt

Die in Zürich domizilierte Firma Igenea verspricht Menschen, die wissen wollen, inwieweit sie jüdischer Herkunft sind, ein auf einer DNA-Analyse basierendes Testergebnis an. Die Zürcher Künstlerin Marina Belobrovaja nahm dies zum Anlass, um kritisch über solch biologisch begründete (Selbst-)Zuteilungen zu bestimmten Bevölkerungsgruppen nachzudenken.
Als Erstes unterzog sie sich selbst dem Test und hat anschliessend Menschen jüdischer und nichtjüdischer Herkunft vor laufender Kamera in verschiedenen Ländern nach ihrer Beziehung zum Judentum befragt.
Anlässlich des daraus entstandenen Videofilms sowie der Publikation ihres Buchs «Das DNA-Projekt» gibt sie Einblick in ihre Recherchen. Auf Einladung von Omanut, dem Verein zur Förderung jüdischer Kultur in der Schweiz, erzählt und diskutiert sie mit Katarina Holländer, Jochi Weil, Daniel Schächter und Johanna Lier, die alle auch im Film wie im Buch präsent sind. Moderation: Michael Guggenheimer.
«Das DNA-Projekt» in: Zürich Galerie 
message salon / Perla-Mode, Langstrasse 84, 
So, 16. Dezember 2012, 17 Uhr.

Adrian Riklin

Musik

Beat Diary

Er ist einer der kreativsten Schlagzeuger der Schweiz: der Thuner Julian Sartorius. Er spielte mit Sophie Hunger, Colin Vallon und Jürg Halter, und seit Jahren tüftelt er an seinen eigenen Beats. Diese hat er nun auf zwölf LPs gepresst als «Beat Diary» veröffentlicht. Jeden Tag ein Beat, so lautete die Aufgabe, die Sartorius sich selbst gestellt hatte. Egal wo er gerade war, ob in den Bergen, in einem Hotelzimmer oder zu Hause – Sartorius nahm während 365 Tagen einen Beat auf. Die Bedingungen: «Keine Effekte, keine Loops. Nur ich und die Umgebung.» So rauscht mal ein Staubsauger im Hintergrund, mal surrt eine elektrische Zahnbürste, oder das Silvesterfeuerwerk knallt zum Beat. Zu jedem Beat gibt es auch ein Foto.
Nun ist der Schlagzeuger auf Tournee mit seinen 365 Beats, den zwölf LPs und begleitet von verschiedenen GastmusikerInnen.
Beat Diary Release Tour in: 
Luzern Sedel, Sa, 15. Dezember, 21 Uhr; 
Basel Plattfon, Di, 18. Dezember 2012, 19 Uhr; 
Basel Sud, Di, 18. Dezember 2012, 20.30 Uhr; 
Genf Ecurie de l’ilôt 13 by Cave12, Mi, 19. Dezember 2012, 21 Uhr; Schaffhausen Taptab, 
Do, 20. Dezember 2012, 20.30 Uhr. 
Weitere Daten: www.juliansartorius.ch.

Silvia Süess

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