Nr. 11/2013 vom 14.03.2013

Heiliger Strohsack!

Heiliger Strohsack!

«Schweizer Bischöfe erlauben ‹Pille danach›», stand kürzlich in der Zeitung. Wem?, fragte ich mich verwirrt. Ihren Haushälterinnen? Missbrauchten Ministrantinnen? Schliesslich dämmerte mir, dass es noch eine Menge Frauen im gebärfähigen Alter geben muss, für die es wichtig ist, was zölibatäre alte Säcke so erlauben oder verbieten.

Dann realisierte ich, dass die Herren ihre Erlaubnis aber nur für den Fall geben wollen, wenn eine Frau vergewaltigt wurde. Und auch dann wollen sie erst geklärt haben, ob die «Pille danach» verhüte oder abtreibe: Ist die weibliche Eizelle noch unbefruchtet, darf sie weg; hat sie sich bereits mit einem Spermium vereint, gilt sie als menschliches Leben – die Pillenwirkung wäre also Abtreibung.

Selbst Fachleute sagen, das könne man nicht präzis unterscheiden, und mir kam wieder mal die spannende Diskussion in den Sinn, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen. Ausserdem müsste eine vergewaltigte Katholikin erst in die Apotheke rennen statt zur Polizei, damit die Pille schneller im Ziel ist als so ein Vergewaltigerspermatozoon.

Während ich noch sinnierte, wie all das wohl mit der unbefleckten Empfängnis des Jesuskindleins zu vereinbaren sei, stand schon in der Zeitung: Kein Bischof habe überhaupt nichts zu irgendwas gesagt. Ist auch besser so. kho

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch