Nr. 12/2013 vom 21.03.2013

Die Handtaschenkrise

Von Karin Hoffsten

Wer es im heutigen Klima von Hektik, Stress und Zukunftsängsten schafft, echte Freundschaften zu knüpfen, hat Glück, denn alle andern müssen irgendwie sonst durch ihre Lebenskrisen. Vieles kann Menschen aus der Bahn werfen: schwere Krankheiten, ein Todesfall, der Verlust der Arbeitsstelle oder die Frage «Kann ich mir eine neue Handtasche gönnen?».

An solchen Belastungen sind schon Ehen gescheitert und Familien zerbrochen; und wer schon erleben musste, wie die letzte Hoffnung schwindet, weiss, was es heisst, wenn in grösster Not ein guter Freund oder eine Freundin ihn ausspricht, den tröstlichen Satz: «Es gibt immer eine Lösung.»

Wer keine FreundInnen hat, hat eine Bank. So wie die verzweifelte junge Frau auf Plakatwänden zum Beispiel, die an der Handtaschenfrage zerbrechen müsste, stünde ihr die Bank now nicht mit einem beherzten «Credit now» zur Seite und dem Versprechen: «Es gibt immer eine Lösung.»

Auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen: Banken sind Freundinnen. Und denen hilft man, wenn sie in Not sind. Wie die Schweiz, die vorbildhaft schon vor Jahren ihre grösste Bank mit dem Steuergeld der BürgerInnen rettete.

Den geizigen ZypriotInnen ist diese Freundschaft jetzt nicht mal läppische sieben Prozent ihres Ersparten wert. Die kriegen auch keine Handtasche, wenn sie mal eine brauchen.

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