Nr. 16/2013 vom 18.04.2013

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Integrierte

Auf der «deutschen Seite» im «Tagblatt der Stadt Zürich», einer lobenswerten Massnahme zur gegenseitigen Annäherung zwischen eingeborenen und aus dem Norden immigrierten MitbürgerInnen, schrieb eine Neuzuzügerin: «Mit der bzw. dem überfüllten Tram vom Paradeplatz Richtung Bahnhofstrasse – eine Qual!» Der Satz bringt nicht nur die sprachlichen Gegensätze trefflich auf den Punkt, denn «das» oder «die» Tram löst bei der jeweils anderen Gruppe Gänse- respektive Hühnerhaut aus, sondern zeigt auch Anfangsschwierigkeiten bei der örtlichen Orientierung: Da der Zürcher Paradeplatz unmittelbar an die Bahnhofstrasse grenzt, würde die Dame diese Strecke mit Vorteil zu Fuss zurücklegen.

Verwechselte

Am letzten Wochenende berichtete der Chefredaktor des «Magazins» im Editorial über den Ursprung einer redaktionellen Reise mit Kollegen durch Deutschland: «Die Idee entstand in einem launischen Moment», als sie darüber sprachen, welche deutschen Produkte sie schätzen. Auf der Reise selbst scheinen dann zum Glück die launigen Momente überwogen zu haben.

Verwechselte II

Im Tourismus ungewöhnlich ist der Kummer, der laut «htr hotel revue» die Schaukäserei Maison du Gruyère plagt, die mit 143 000 Eintritten im letzten Jahr sehr erfolgreich war: «Die Zahl jener, die herkommen, um im Laden eine lokale Spezialität zu kaufen oder sie im Restaurant gleich zu konsumieren, ist laut der Direktorin Fabienne Porchet mehr als viermal zu gross.» Da hilft nur eine viermal so grosse Abschreckungskampagne.

Beschäftigte

Dank des «Tagblatts der Stadt Zürich» kennen wir noch mehr Sorgen und Nöte der Zürcher Bevölkerung. «Welche tierliebende Dame hütet unsere spiellustige, dreijährige Katze jeweils von Montag bis Freitag, 12 bis 14 Uhr?», fragte zum Beispiel jemand. Offenbar brauchen die vom Spiel mit dem anspruchsvollen Tier erschöpften EigentümerInnen über Mittag eine Pause. Wir empfehlen, die Katze das Patiencelegen zu lehren, dann kann sie sich auch mal selbst beschäftigen, und notfalls muss sie halt fernsehen. Pädagogisch empfehlenswert ist das aber nicht!

Unverständliche

«Madonna sorgt in Malawi einen Eklat», schrieb der «Tages-Anzeiger», was unsereinen nicht wundert, schliesslich ist sowieso alles chaotisch da unten in Afrika. Wer wollte es also dem «Blick am Abend» verübeln, dass er in einer Bildlegende über Somalia festhielt: «Wie wenn das Land am Horn Afrikas nicht schon genug leidet, sorgen nun Islamisten für Terror.» Da die somalische Bevölkerung zu fast hundert Prozent muslimisch ist und im Land seit über zwanzig Jahren Bürgerkrieg herrscht, stimmts doch irgendwie.

Naturverbundene

Eine Pressemitteilung informierte, dass gut 97 Prozent der SchweizerInnen im Frühling «gerne draussen Sex haben. Am beliebtesten unter den Outdoor-Orten ist der Wald: Knapp 40 Prozent der Schweizer geniessen im Frühling den Sex zwischen den Bäumen. Überraschenderweise sind die Schweizer keine Bergler – nur 11 Prozent der Befragten geben dies als liebsten Ort für Outdoor-Sex an.» Dabei soll gerade die Klimax auf dem Breithorn unerreicht sein!

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