Nr. 35/2013 vom 29.08.2013

Präventive Schüsse

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Sie saufen sich ins Koma, überfallen, beklauen und erpressen einander, und wenn sie nicht gleich zustechen, schlagen sie sich gegenseitig die Birne blutig; sie hinterlassen überall Abfall und Dreck und geben nur freche Antworten. Wenn ich die örtliche Presse verfolge, scheint das die Freizeitgestaltung – mehrheitlich männlicher – Schweizer Jugendlicher zu sein.

Die US-amerikanische Jugend geht anders vor. Vor allem schwarze Teenager erschiessen sich gegenseitig, es sei denn, sie werden vorher von einem Nachbarschaftswächter erwischt. Der weisse Jüngling hingegen bevorzugt das einsame Schulmassaker.

Jetzt gibts einen neuen Trend: Im April erschoss in New Jersey ein Vierjähriger einen Sechsjährigen. Im Mai tötete ein Fünfjähriger in Kentucky seine Schwester mit einem Kindergewehr der Marke My First Rifle. In Michigan hat sich letzte Woche ein Dreijähriger selbst erschossen, die Pistole hatte er im Schlafzimmerschrank gefunden. Und gestern las ich, dass in Südafrika eine Siebenjährige mit Opas Gewehr ihre sechsjährige Freundin erschossen hat. Globalisierung und Geschlechtergleichstellung machen also auch vor diesem Trend nicht halt.

Nun wohnt ja jeder Tragik auch etwas Tröstliches inne: Wen schon im Kindesalter eine Kugel erwischt, der wird wenigstens nicht mehr zum jugendlichen Gewalttäter.

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