Nr. 35/2013 vom 29.08.2013

Von Jürg Fischer

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Schnell musste es gehen in der Onlineausgabe der «Aargauer Zeitung» (inzwischen korrigiert): «Der neue Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold sagt in seinem ersten Interview seit der Amtsübernahme, dass er Banden und Raser bekämpfen will. Zudem will er im Internet nach Chaoten fahren und auch das Verhältnis mit Staatsanwäten verbessern.» Die Raser waren hier wohl die beiden Interviewer, unterwegs zu den Chaoten; diese wiederum können sich im Aargau sagen: Regenschirm aufspannen, der Staat kommt angewatet.

Ethnologische I

Der «Bund» wiederum berichtete von einem Neuzugang beim Fussballklub Young Boys, einem japanischen Spieler: «Von YB wusste der Asiate so gut wie nichts. Von der Schweiz hatte er nur das Bild vom Heidiland im Kopf. Die Realität sah dann ganz anders aus. Arabische Schriftzeichen, Rechtsverkehr, die europäische Küche, Berndeutsch: fast alles neu für Kubo.» Ja, das ist gewiss gewöhnungsbedürftig, aber Bern und Arabien verbindet schon seit je vieles; man denke nur an Sidi Abdel Assar von El Hama oder an den Berner Stadtpräsidenten al-Exander Tschäppät.

Ethnologische II

Die chinesische Welt ist rätselhaft. Gucken wir nicht genau hin, fällt es uns kuhäugigen Langnasen schwer, die einzelnen Individuen zu unterscheiden. Das ging uns durch den Kopf angesichts der Feststellung in einer langen Chinareportage im «Magazin»: «Die Meinungen über Mao gehen heute selbst unter chinesischen Intellektuellen auseinander.» Finden Sie das nicht auch erstaunlich bei einem Volk, wo sich die Intellektuellen ansonsten gleichen wie ein Ei dem anderen? Und die Nichtintellektuellen sowieso.

Ethnologische III

«Die Besucherschar war am Samstag nicht so bunt gemischt, wie man das von ähnlichen Anlässen andernorts in der Stadt Zürich gewohnt ist. Namentlich Familien mit Kindern waren kaum zu sehen», schrieb die NZZ. Über welchen Anlass? Genau, über den neuen Strichplatz mit den «Sexboxen» in Zürich Altstetten. Die Familien, die ihre Kinder sonst auch überall hinschleppen, haben somit eine einmalige Chance der ausserschulischen Frühaufklärung verpasst.

Präzisierungsfähige

Nicht zum ersten Mal stellen wir fest, über wie beeindruckendes Wissen WOZ-LeserInnen verfügen. Leser B. korrigiert unsere Korrektur, Silikon und Silikat betreffend:

«Das mit dem amorphen Silikat stimmt so nicht: Gemeint ist vermutlich amorphes SiO2 (± wasserhaltig, silica), nicht SiO. SiO2 ist kein Silikat, sondern Silizium-Oxid. Silikate sind korrekt auch nicht als ‹Salze der Kieselsäure› (H4SiO4), einer nur ganz schwach dissoziierten Säure, zu bezeichnen. Während in Salzen (z. B. NaCl) die Kristalle durch Ionenbindungen zusammengehalten werden, halten in Silikaten (z. B. Feldspat und Glimmer) stabile Sauerstoffbrücken die SiO4-Tetraeder (kovalente Bindung) zusammen. Silikone (organische Polymere des Si) sind andererseits geologisch besonders interessant, da sie sich nur schwer zersetzen und deshalb in Zukunft als Leitfossilien des Anthropozäns verwendet werden können.»

Besser hätten wir es nicht sagen können. Wir freuen uns stellvertretend auf die Fragezeichen in den Gesichtern der PostanthropozänerInnen angesichts des ganzen vorgefundenen Silikons.

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