Nr. 38/2013 vom 19.09.2013

Ausstellungen

Basler Popgeschichte

Im Basler Lohnhof, einem ehemaligen Gefängnis, steht eine virtuelle Musikbox mit den Hits aus 65 Jahren lokaler Rock- und Popgeschichte. Im Rahmen der Ausstellung «pop @ basel» sind weitere wichtige Ton- und Bilddokumente versammelt. Immerhin wurde in Basel 1957 von The Hula Hawaiians mit «Chimpanzee Rock» die erste Rock-’n’-Roll-Aufnahme der Schweiz eingespielt, und ein Vierteljahrhundert später spielten die Rolling Stones im «Joggeli» das erste Open-Air-Stadionrockkonzert. Aber noch wichtiger: Der gebürtige Basler Adolf Rickenbacher, der sich in den USA dann Adolph Rickenbacker nannte, gilt als einer der Väter der E-Gitarre und brachte damit den Stein ins Rollen. Der Weg vom Kofferradio über die Schallplatte bis zu MP3 und Social Media hat für MusikerInnen und Publikum einiges verändert. Es gibt also in der Ausstellung «pop @ basel» auch kulturgeschichtlich viel zu entdecken.
Pop- und Rockmusik seit den 1950ern 
«pop @ basel» in: Basel Museum für Musik im Lohnhof, Do, 19. September 2013, 18 Uhr, Eröffnung. 
Bis 29. Juni 2014. www.hmb.ch

Fredi Bosshard

Arnold Odermatt

Der 1925 im nidwaldischen Oberdorf geborene Arnold Odermatt war während über vierzig Jahren im Kanton als Polizist unterwegs. In dieser Funktion hat er als Fotograf den grösseren Teil der Autounfälle auf Kantonsgebiet dokumentiert. Nachdem Odermatt bereits im Ruhestand war, erschien 2003 ein Teil dieser Aufnahmen in dem Fotoband «Karambolage». Sie machten Odermatt bekannt, und seine Bilder wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Inzwischen zieren sie auch eine CD-Box der US-amerikanischen Band Tortoise, und «Karambolage» ist diesen Sommer in Neuauflage erschienen.
Mit der Stanser Ausstellung «Das Dorf als Welt» wird Arnold Odermatt nun erstmals in «seinem» Kanton umfassend gewürdigt. Dazu gehören auch Fragmente aus seinen fotografischen Tagebüchern. Sie umfassen Aufnahmen von der Familie. Arnold Odermatt zeigt sie im privaten Rahmen aber auch bei Ausflügen mit dem Auto in der ganzen Schweiz. Er dokumentiert auch das Polizeikorps im täglichen Dienst und in den Amtsstuben. Auf Schwarzweissfotos folgen erste pastellfarbene Bilder, die zunehmend kräftigere Farben bekommen. Arnold Odermatts Aufnahmen werden so auch zu einer Chronik der Fotografie.
Adolf Odermatt «Das Dorf als Welt» in: Stans Nidwaldner Museum im Pavillon und Winkelriedhaus, Sa, 21. September 2013, 17 Uhr, Eröffnung. Einführung: Stefan Zollinger und Nadine Wietlisbach. Mi–Fr, 14–17 Uhr; Sa/So, 11–17 Uhr. Bis 15. Dezember 2013. www.nidwaldner-museum.ch

Fredi Bosshard

Stadtrundgang

Video auf der Gasse

Kaum jemand filmt heute noch mit analogen Videokameras. Doch als vor gut vierzig Jahren die Videotechnik aufkam, bot sie sowohl Profis wie auch AmateurInnen eine günstige Möglichkeit zu filmen. Dies wurde auch von politischen AktivistInnen genutzt. So sind viele Auseinandersetzungen um Jugendzentren, Alternativkultur und nonkonformistische Lebensformen auf Videos festgehalten worden.

Das Sozialarchiv bietet nun in Zürich zwei Führungen an, die historische Filmausschnitte in einem Videomobil an den Originalschauplätzen zeigen. Die Führungen werden begleitet von der Filmwissenschaftlerin Julia Zutavern und dem Historiker Dominique Rudin.
«Beim Paradeplatz links abbiegen» in: Zürich Treffpunkt Tessinerplatz, Sa, 21. September 2013, 17 Uhr.
«Gegen den Strom die Limmat hoch» in: Zürich Treffpunkt Ecke Klingengasse/Zollstrasse, 
Sa, 28. September 2013, 17 Uhr. www.sozialarchiv.ch

Silvia Süess

Theater

Ab in die Agglo

«Es braucht Projekte, die die Kultur über die herkömmlichen Orte hinaustragen, so etwa in Quartierzentren am Stadtrand oder in der Agglomeration», schrieb die WOZ vor kurzem. Leute, die das machen, sind die Berner Theaterschaffenden von Schauplatz International. In ihrem aktuellen Stück «‹Die Nacht› von Ferdinand Hodler. Bekenntnisse zur Agglomeration» beschäftigen sie sich nicht nur mit der Agglomeration, sondern spielen die Stücke auch gleich dort.
Im Zentrum steht einerseits Ferdinand Hodler: Dieser fürchtete, als Künstler in der Provinz nicht wahrgenommen zu werden, und es drängte ihn nach Paris. Parallel dazu beschäftigen sich die Theaterschaffenden aber auch mit ihrer eigenen Lebenssituation: Zwei von ihnen leben in der erweiterten Agglomeration von Bern, einer in Bern und der vierte in Berlin. Das Unbehagen gegenüber der Agglomeration teilen sie alle: «Es ist ein Unbehagen vor dem Stillstand, der Kleinräumigkeit und dem Egoismus», schreibt die Theatergruppe Schauplatz International.
Agglomerationen sind Schlafstädte. Hierhin wollten die Theaterschaffenden Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Martin Bieri und Lars Studer Ferdinand Hodlers Gemälde «Die Nacht» bringen, da es den Menschen aus der Seele sprechen würde. Das Gemälde selbst ist noch immer im Kunstmuseum Bern – doch geschlafen wird trotzdem auf der Bühne.
«‹Die Nacht› von Ferdinand Hodler. Bekenntnisse zur Agglomeration» in: Worb Aula Schulzentrum Worbboden, Fr/Sa, 20./21. September 2013, 20 Uhr.

Silvia Süess

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