Nr. 38/2013 vom 19.09.2013

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an Autor:in

Gleichberechtigte

«Impulse für die Chancengleichheit» gibt die Universität Zürich in einer Medienmitteilung: «Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät entwickelt und erprobt mit dem Projekt ‹Gender Equality in professorial appointments› Massnahmen, um die Zahl der Bewerbungen von Frauen für einen Lehrstuhl zu erhöhen und unbeabsichtigte Benachteiligung im Bewerbungsverfahren zu vermeiden.» Mit grosser Erleichterung hat man in den auswählenden Gremien zur Kenntnis genommen, dass einer absichtlichen Benachteiligung nach wie vor nichts im Wege steht.

Hilfsbereite

«Weltsuizidtag: Biel bietet Selbsthilfe» titelte das «Bieler Tagblatt». Beim Brainstorming, wie diese wohl aussehen könnte, kam uns manches in den Sinn: Gratisabgabe formschöner Plastiksäcke im Vierfarbendruck mit eingebautem Gummizug, ein Spezialfahrplan einfach zugänglicher SBB-Bahnstrecken oder auch eine topografische Karte der höchsten Brücken und Viadukte in der Schweiz. Dem «Bieler Tagblatt» empfehlen wir als dringende Sofortmassnahme eine interne Schulung zum Thema «Titelsetzung».

Optimierende

«Gemeinsam die Einflüsse der Zeit meistern» lautete das Motto einer Einladung an unsere Kollegin S.: Eine Frau Dr. Modaressi wolle ihr «die verschiedenen Behandlungsmethoden zur Perfektionierung, Verjüngung, Straffung oder Rekonstruktion des Körpers» vorstellen. Aber S. ist jetzt beleidigt und will der liebenswürdigen Einladung nicht folgen. Sollte Ihnen der Sinn nach körperlicher Perfektionierung oder gar Rekonstruktion stehen, gehen Sie doch einfach vorbei: 19. September, 18.30 Uhr, Hotel Baur au Lac, Zürich. Die Anzahl Sitzplätze ist beschränkt.

Clevere

Über einen Kaufmann berichtete der «Tages-Anzeiger»: «Der Mann nutzte seine Verbindungen zu einer grossen Versicherung (…) und machte den Kunden weise, dass er dort das Geld auf einem – nicht existierenden – ‹Spezialkonto› anlegen würde.» Den weise gemachten Kunden nutzte das nichts. Die Millionen sind futsch.

Zweitmeinende

Während vor Internetzeiten das Recherchieren nur schon einfacher Fakten zeitaufwendig war und viel Fuss- und Archivarbeit bedeutete, genügen heute vielfach wenige Klicks. Allerdings tut man manchmal gut daran, sich nicht mit dem erstbesten Resultat zufriedenzugeben. Dies sagte sich Kollege B., der auf Wikipedia folgenden Eintrag fand: «Stephan Schmidheiny ist ein Schweizer Unternehmer und Philanthrop.» Aus Gwunder klickte er die englischsprachige Version an, und siehe da: «Stephan Schmidheiny is a Swiss criminal businessman and billionaire.» Auf Italienisch schliesslich wird vermeldet: «Stephan Schmidheiny è un criminale svizzero, uomo d’affari e milliardario.» Wir können hier den Fall nicht abschliessend klären, meinen aber, es kommt offensichtlich ein bisschen auf die Perspektive an.

Abgehalfterte

Nur in der WOZ konnte man vorletzte Woche den schönen Satz lesen: «Emil Zopfi liefert eine melancholische Abrechnung mit Alt-68ern und ihren gescheiterten Illusionen.» Es besteht, gerade für Alt-68er, also Hoffnung. Wenn Illusionen scheitern können, können sie auch reüssieren.

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