Nr. 40/2013 vom 03.10.2013

Ernährung

Woher stammen unsere Nahrungsmittel? Wie werden sie produziert? Unsere Kaufentscheide haben Auswirkungen auf unsere Gesundheit, beeinflussen aber auch die Umwelt und das Leben anderer Menschen. Helvetas zeigt nun die Wanderausstellung «Wir essen die Welt» über Genuss, Geschäft und Globalisierung.
Aarau Naturama Aargau, Feerstrasse 17, 
bis 9. Februar 2014. Anschliessend in weiteren Schweizer Städten.

Geld spielt in unserem Ernährungssystem eine grosse Rolle – vor allem, seit Agrarrohstoffe zu interessanten Geldanlagen geworden sind. Auch einige Pensionskassen sichern unsere Altersvorsorge mit Investitionen in Agrarrohstoffe. Was bedeutet das für die Armen und Hungernden in den Ländern des Südens? Welche Regeln braucht es, damit das Menschenrecht auf Nahrung gewährleistet ist? Dazu findet am Welternährungstag die Tagung «Spe(c)kulation. Wie wir uns an den Lebensmitteln des Südens gütlich tun» statt.
Brugg-Windisch Fachhochschule Nordwestschweiz, Bahnhofstrasse 5a, Gebäude 6, Campussaal, 
Mi, 16. Oktober 2013, 13.30–20.15 Uhr. Kosten 
(inklusive Verpflegung): 50 Franken, Studierende 25 Franken. Anmeldung unter 056  222 15 17 
oder welternaehrung.technik@fhnw.ch.

Flucht und Asyl

Für neunzig Prozent aller Flüchtlinge ist die Ägäis das Tor zu Europa. Das in jeder Beziehung überforderte griechische Asylsystem ist längst kollabiert. In Griechenland darf niemand bleiben, doch kann auch keiner weg – so will es die EU –, und die Behörden gehen mit aller Härte gegen Flüchtlinge vor, die das Land zu verlassen suchen. Der Film «Leaving Greece» von Anna Brass erzählt die Geschichten von drei afghanischen Flüchtlingen, die seit Jahren versuchen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Zürich Kino Corso 4, Theaterstrasse 10, 
Sa, 5. Oktober 2013, 12.30 Uhr.

Die sechsköpfige Familie Hamza ist aus dem Kosovo geflohen, weil sie dort zur Minderheit der Gorani gehört und verfolgt wird. 2010 bat sie in der Schweiz um Asyl, was nach mehreren Rekursen im Februar 2013 endgültig abgelehnt wurde. Die Familie lebte fortan von Nothilfe und bekam die Aufforderung, die Schweiz zu verlassen. Die 22-jährige Tochter Elinda wurde allein in den Kosovo abgeschoben – drei Tage nachdem die Mutter wegen eines Suizidversuchs ins Sanatorium Kilchberg eingeliefert werden musste. Elinda verbrachte drei Tage in der Kaserne, sie durfte weder mit ihrer Familie noch mit ihrem Anwalt sprechen. Auch das Geld und die Kleider, die der Vater vorbeibrachte, durfte sie nicht entgegennehmen. Nach drei Wochen wurde die Mutter entlassen und sogleich zusammen mit dem Vater ausgeschafft.
Zurzeit laufen ein Wiedererwägungsgesuch und ein Gesuch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Es wird nun ein Soliessen geben für die Familie, damit sie die Anwaltskosten bezahlen kann. Anschliessend wird «Farid – In Zürich oder irgendwo» von Pino Esposito gezeigt. Es ist ein Film über Zürich aus der Wahrnehmung von MigrantInnen. Der palästinensische Schriftsteller Farid Dhamrah, ein abgewiesener Asylsuchender, dem die Auslieferung nach Israel droht, steht im Zentrum.
Zürich Kirchgemeindehaus Aussersihl, Stauffacherstrasse 8, Fr, 4. Oktober 2013, Film 19 Uhr, Essen ca. 20.30 Uhr, anschliessend Diskussion 
mit dem Regisseur.

Genitalverstümmelung

Um der Zwangsheirat zu entgehen, flieht die dreizehnjährige Waris Dirie von zu Hause, irrt tagelang durch die Wüste und kommt in die somalische Hauptstadt Mogadischu. Die Familie ihrer Mutter kümmert sich um sie und verschafft ihr eine Stellung als Dienstmädchen in Somalias Londoner Botschaft. Als ihr die Abschiebung droht, taucht Waris in London unter, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und wird überraschend von einem Starfotografen entdeckt. Von nun an rissen sich Designer und Medien um das Nomadenmädchen, das zum Topmodel aufstieg. Im Jahr 1997, auf dem Höhepunkt ihrer Modelkarriere, berichtete Waris Dirie erstmals der Journalistin Laura Ziv von ihrer Beschneidung und löste damit ein weltweites Medienecho aus. Im selben Jahr wurde sie UN-Sonderbotschafterin gegen Frauenbeschneidung. 1998 veröffentlichte sie das Buch «Wüstenblume», dessen Verfilmung nun in Basel gezeigt wird.
Basel Internetcafé Planet 13, Klybeckstrasse 60, 
Fr, 4. Oktober 2013, 20 Uhr.

Gleichheit

Der britische Sozialforscher Richard Wilkinson vertritt die These, dass sehr viele der gegenwärtigen Probleme der Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft geschuldet sind, und kommt zum Schluss, dass gleichere Gesellschaften für alle besser sind. Nach seinem Referat «Gleichheit ist Glück?» diskutiert er am ersten Anlass in Zürich unter anderem mit Patrik Schellenbauer (Avenir Suisse), moderiert von Philipp Löpfe, «Tages-Anzeiger» (deutsch/englisch). Am Anlass in Bern sind seine DiskussionspartnerInnen die Ökonomin Mascha Madörin und SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Ausserdem hält er zweimal das Mittagsreferat «How Economic Inequality Harms Society» mit anschliessender Fragerunde (englisch).
Zürich Referat/Podium: Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Di, 8. Oktober 2013, 20 Uhr.
 Basel Mittagsreferat: Mi, 9. Oktober 2013, 12.15 Uhr, Universität, Kollegienhaus, Hörsaal 117.
 Bern Referat/Podium: Hotel Bern, 
Zeughausgasse 9, Mi, 9. Oktober 2013, 20 Uhr. 
Zürich Mittagsreferat: Universität, 
Raum K02-F-152, Do, 10. Oktober 2013, 12.15 Uhr.

In langer Forschung haben die WissenschaftlerInnen Richard Wilkinson und Kate Pickett empirische Daten gesammelt und ausgewertet, anhand derer sie den Einfluss von Ungleichheit auf eine Vielzahl der drängendsten sozialen Probleme untersuchen. Die Völkerkundlerin Susy Greuter hält den Vortrag «Ungleichheit macht krank» über die Studien von Wilkinson und Pickett.
Basel Internetcafé Planet 13, Klybeckstrasse 60, Mo, 7. Oktober 2013, 19 Uhr.

Kolumbien

Vertreibungs- und Landenteignungsprozesse haben in Kolumbien schon Tausende von Opfern gefordert. Neben dem Recht auf Leben sind dabei andere fundamentale Menschenrechte wie das Recht auf Nahrung, Arbeit, Kultur, Bewegungsfreiheit, Gesundheit und Ausbildung systematisch verletzt worden. – Die Kleinbauern und -bäuerinnen von Las Pavas sind im Lauf der letzten zehn Jahre dreimal von ihrem Gebiet vertrieben worden. Heute entsteht dort eine riesige Palmölplantage. Das RomeroHaus zeigt nun die Fotoausstellung «Les voy a contar la historia», die ihre Geschichte von Vertreibung und Widerstand erzählt.
Luzern RomeroHaus, Kreuzbuchstrasse 44, 
täglich 8.30–18.30 Uhr, bis 13. Oktober 2013. 
Auf Wunsch sind Führungen möglich.

Linke Hochschultage

Auch in diesem Jahr finden wieder Linke Hochschultage an der Universität Zürich statt. Es geht um das Aufzeigen und Analysieren aktueller Unterdrückungsmechanismen. Mit Referaten, Podien, Workshops sowie Gesprächen zu Speis und Trank sollen die Möglichkeiten ausgelotet werden, wie die Wissenschaft ihren Teil zu dieser Analyse beitragen kann.
Zürich Containerdorf an der Kantonsschulstrasse gleich beim Kunsthaus, Mi–Sa, 9.–12. Oktober 2013. Detailinfos: www.linketage.blogsport.de.

Stadtentwicklung

Die Stadt Zürich wird seit langem «aufgewertet». Ärmere soziale Gruppen und Familien werden aus der Stadt verdrängt, während Finanzkräftige in die aufgehübschten ehemaligen Arbeiterviertel ziehen. Die Stadtsoziologin und Aktivistin Vesna Tomse analysiert, wie es zu diesen Umstrukturierungen gekommen ist.
Zürich Autonome Schule, Badenerstrasse 565, 
Mi, 9. Oktober 2013, 19 Uhr.

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