Nr. 41/2013 vom 10.10.2013

Die Hälfte vom Bier

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Unter der fetten Schlagzeile «Feminismus ärgert Männer und Frauen» stellte «20 Minuten» kürzlich fest: «Männer und junge Frauen haben genug vom Gezänk um die Gleichstellung: Zwei Drittel finden, es reiche mit der Emanzipation der Frauen, so eine Studie.» Gemeint war eine Umfrage des demoskopischen Instituts im deutschen Allensbach. Prompt fanden auch achtzig Prozent der «20 Minuten»-LeserInnen: «Ich mag diese Forderungen nicht mehr hören.»

Das überrascht nicht, interessant ist jedoch etwas anderes: Während der Text in der Printausgabe auf die Leier «Viele haben genug vom Feministinnengeklöne» eingedampft wurde, findet sich auf «20 Minuten Online» eine dreimal so lange Version, die sich sogar den bescheidenen Luxus einiger Differenzierungen leistet. Zudem liefert die Website die konkreten Umfrageergebnisse, laut denen – im Gegensatz zur Interpretation in «20 Minuten» – noch 51 Prozent der in Deutschland befragten Frauen fanden, für die Gleichberechtigung der Frauen müsse mehr getan werden.

Vermutlich hat man den Platz in der Printausgabe dringend gebraucht, etwa für die Nachricht «Mann verschanzt sich in Bordell» gleich daneben. Und dass die Gleichstellung auf gutem Weg ist, beweist ja folgende Meldung im selben Heft: «Auf der Münchner Wiesn ist bereits jede dritte ‹Bierleiche› weiblich.»

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