Nr. 42/2013 vom 17.10.2013

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Lackierte

Da die dritte deutsche Lautverschiebung, nämlich die letzte Dudenreform, erst wenige Jahre zurückliegt, ist sie auch noch nicht richtig verdaut. Okay, aus der Schenke wurde eine Schänke, aus der Gemse die Gämse, letztlich aber nicht konsequent aus aufwendig aufwändig. Kein Wunder, bereitet die Analogiebildung manchmal Mühe: Zur Ausstellung von Thomas Schütte in der Fondation Beyeler in Riehen schrieb die Basler «Tageswoche»: «Dies wird besonders in der seit 1999 entstehenden Werkgruppe ‹Frauen› deutlich. Sie besteht aus 18 verschiedenen Skulpturen, die kontinuierlich in unterschiedlichen Materialien ausgeführt werden: Bronze, Stahl und Aluminium, poliert oder lackiert, wurden bisher verwändet.» KunstliebhaberInnen sagen dazu vielleicht auch «Mixed Media»; lassen wir es dabei bewänden.

Beeinträchtigte

«Was niemand mehr kaufen will, wird im Buffet Dreieck aufgetischt: krüppelige oder ablaufende Esswaren und Lebensmittel in beschädigten Verpackungen», weiss «20 Minuten». Was soll bitte «krüppelig» sein? Jedenfalls hörts die krumme Banane gar nicht gern, die Artischocke ohne Herz noch weniger. Auch der ablaufende Rollmops solidarisiert sich und protestiert zu Recht. – PS: Bezüglich der nachhaltigen Weiterverwertung von gelesenen Gratisanzeigern, auch krüppeligen, besteht noch Optimierungsbedarf.

Knabenhafte

«Boy George singt wie eine alternde Soul-Diva, seine Stimme ist tiefer als früher, authentischer.» Das stand in der «NZZ am Sonntag». Bevor wir uns Gedanken machen, ob man «authentisch» eigentlich steigern kann, fragen wir uns, ob das Wort nicht sowieso auf eine schwarze Liste gehört. Vor dreissig Jahren, wir erinnern uns ebenfalls mit der «NZZ am Sonntag», gab Boy George folgendes Bild ab: «Der weite Pullover liess keine Körperkonturen erkennen. Er sah aus wie eine Geisha mit Rastalocken, ein Wesen von einer anderen Welt.» Das soll alles unauthentisch gewesen sein? Do you really want to hurt me?

Zusammengebastelte

«Wieder ein Preis gesenkt», steht auf einem Ikea-Plakat. «Fehlt da wieder eine Schraube?», fragte sich und uns Leser K. Also, müsste es nicht heissen: «Wieder einen Preis gesenkt»? Kommt drauf an: Wenn Ikea «Wieder wurde ein Preis gesenkt» sagen will, ist der Nominativ in Ordnung. Wenn die Firma aber meint: Wieder haben wir einen Preis gesenkt, ist der Akkusativ der Fall der Wahl. Und da sie es wohl aktiv getan hat, geben wir Herrn K. recht: Wieder unsorgfältig überlegt.

Erkannte

Vor zwei Wochen fragten wir hier nach dem Mann mit einem Lächeln «breit wie ein Gipfeli» über «einem Baumstumpf» von Hals – zumindest laut «NZZ am Sonntag» –, und nun ist es klar: Auch WOZ-LeserInnen verfügen über ein feines Gespür für die Synthese aus Brauchtum, Sport und Manneskraft und erkannten fadengerade unsern Schwingerkönig Matthias Sempach. Auf dem ersten Platz tummeln sich gemeinsam Frau R. und Herr G. – wir gratulieren herzlich! Als kleine Anerkennung erhält Herr G. einen Zusatzmonat für sein Abo, während Frau R. im Rahmen der aktuellen Herbstaktion die WOZ sechs Wochen lang gratis noch genauer kennenlernen kann. (Mehr dazu unter www.woz.ch/abo.)

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