Nr. 43/2013 vom 24.10.2013

Mutter Unbedarft

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

In unserem Land herrscht Meinungsfreiheit, und das ist gut so. Frau Claudia Blumer etwa schreibt in ihrem Blog, wie sehr sie sich von den Kampagnen des Bundesamts für Gesundheit bedroht fühlt: «Was uns da eingetrichtert wird, schlägt auf den Magen, es macht krank. (…) Wer dauernd zu hören bekommt, er esse zu viel und bewege sich zu wenig, steht unter Stress, und wird krank. Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen sind die Folge, das seelische Wohlbefinden leidet.»

Sie findet: «Die Leute sollen essen, was ihnen passt. (…) Für das richtige Mass sorgt die Natur von allein. So haben wir ganz natürlich grossen Durst, wenn wir zu viel Salz gegessen haben. Das Salz soll verdünnt werden und den Körper möglichst rasch wieder verlassen.» Also spülen wir den leckeren Doppelburger mit Cola oder Eistee runter, da sind bloss rund 24 Zuckerwürfel drin. Die Getränkehersteller haben es der Natur abgelauscht.

Weil Frau Blumer auch Journalistin ist, wurde ihr Blogeintrag tags darauf im «Tages-Anzeiger» abgedruckt. Es geht mir zwar nicht mehr so wie meiner vor Jahrzehnten verstorbenen Oma, die kaum glauben konnte, wenn etwas, das sie «schwarz auf weiss» gelesen hatte, gar nicht stimmte. Aber von einer Vertreterin dieser Branche erwarte ich ein Mindestmass an Informiertheit. Sonst glaub ich ihr auch sonst nichts mehr.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch