Nr. 43/2013 vom 24.10.2013

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Unkonzentrierte

«Radio 24» schockierte letzte Woche mit der Nachricht: «Die Gewerkschaft Unia montiert einen arbeitsrechtlichen Missstand auf der SBB-Baustelle für den Zürcher Durchgangsbahnhof Löwenstrasse», was unseres Erachtens jeder gewerkschaftlichen Zielsetzung und Ethik widerspricht. Beim nächsten Satz – «Die Unia entdeckte bei einer Kontrolle letzte Woche einige Probleme … einige Polen, die als Scheinselbständige dort arbeiteten, und zwar zu miserablen Bedingungen» – kamen wir zum Schluss, dass auch die Sprecherin zu belastenden Bedingungen arbeiten muss. Oder am Vorabend Party gemacht hat.

Profilierte

«Stadtl. Dipl. Klavierlehrerin sucht dringend einen Sekretär ehrenamtlich, zur Erledigung ihrer Korrespondenz» hiess es in einem Kleininserat in einer grossen Tageszeitung. Der Wunsch überzeugt. Aber ehrenamtlich wird den Job wohl nur ein Landl. Dipl. Sekretär machen, fürchten wir.

Brillierende

Sicher nicht ehrenamtlich arbeitete der Verfasser/die Verfasserin folgender Zeilen: «Sunrise TV: Ihr neues Fernsehen. So brilliant, wie Sie es wünschen.» Ja, so sind diese Kreativen nun mal: Die zündende Idee kam ihm oder ihr sicher erst spätabends am Billiardtisch.

Fiebrige

«Ausgestattet mit Loopgerät und Sampler und Mikrofon, zauberte er innert weniger Augenblicke einen seiner Schüttelfrost erzeugenden Rhythmen hervor. Eine Fähigkeit, die ihn in den letzten 15 Jahren zu einem der wichtigsten Figuren der urbanen Musik gemacht hat», lasen wir im «Tages-Anzeiger». Ob die, der oder das Figur – wir zittern mit.

Perfekte

Dass der Gewinnerin des Booker-Preises in der «NZZ am Sonntag» folgender «Rat an aufstrebende Schriftsteller» in den Mund gelegt wurde, kann nicht ihr selbst angelastet werden: «Lies alles und lies Dinge, die du nicht magst. Frage ‹Warum?› und ‹Wie?› so oft wie möglich und gebe Dich nicht zufrieden mit einfachen Antworten.» Und wenn du gerade nicht liest, sondern schreibst, gib auch dem Imperativ eine Chance!, raten wir.

Vorsorgliche

In der «NZZ am Sonntag» schwächelte in dieser Woche aber nicht nur der Imperativ, ausnahmsweise ging auch der Nominativ k. o.: «Den Marsch von Muottas Muragl auf die Alp Languard wird uns mit einem Lunchpaket vom Hotel versüsst.» Den überzähligen Akkusativ heben wir uns gut auf. Dessen nächster Schwächeanfall kommt bestimmt!

Saubere

Wie schon im Sommer reiste WOZ-Leserin U. auch im Herbst durch die Türkei. Diesmal begegnete sie in einem Hotel folgendem Hinweis: «Liebe Gäste, Bitte seien Sie uns bei dem unnötigen Wasser und Wassermittelkonsum behilflich und entscheiden Sie sich für unsere Umwelt und Erde. (…) Wir bedanken uns für Ihre Empfindlichkeit.» Frau U. versichert, dass sie und ihre Familie redlich bemüht waren, nicht zimperlich zu tun, sondern das Anliegen der Hotelleitung durch gehäuftes Duschen zu unterstützen.

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