Nr. 48/2013 vom 28.11.2013

Hilfe! Kitsch!

Von Karin Hoffsten

Hilfswerke sind nicht zu beneiden. Sie brauchen Geld, haben aber nichts zu verkaufen, es sei denn ein gutes Gewissen. Also müssen sie potenziell Spendenden erst mal ein schlechtes Gewissen machen, denn oft ist denen nicht klar, wie gut es ihnen im Vergleich mit jenen geht, denen geholfen werden soll. Dafür machen Hilfswerke Kampagnen.

Die aktuelle Kampagne von Terre des hommes prangert die Ausbeutung von Kindern an, entworfen wurde sie von Spinas Civil Voices, einer Agentur, die sich auf Hilfs- und Umweltorganisationen spezialisiert hat.

«Made by Sunita (9)» steht auf dem Etikett eines Papierhemds mit Infotext, das in Schweizer Haushalte verteilt wurde, auf dem beigefügtem Karton steht in Kinderschrift: «Ich heisse Sunita und bin 9 jahre alt. Jeden Tag muss ich ohne Pause 12 Stunden lang Hemden nähen. Es ist so heiss und duster hier im Keller. Ich Schreibe auf disen Hemdkarton weil ich hofe das mich jemand befreien kann. Danke. Sunita».

Das real existierende Elend so darzustellen, dass unsereins nicht nur sein Herz, sondern auch das Portemonnaie öffnet, stelle ich mir enorm schwierig vor. Doch hier las ich die Botschaft und war verstimmt: Was für ein Kitsch! Auf mich wirkt die pseudoauthentische Pappe einfach nur verlogen.

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