Nr. 48/2013 vom 28.11.2013

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Festgefahrene

Das Genre Verkehrsmitteilung bietet nur beschränkte dichterische Freiheit, könnte man meinen. Und doch schleicht sich manchmal eine unorthodoxe Formulierung ein, wie bei «Tages-Anzeiger Online»: «Eine Störung bei einem Zug sorgt heute Morgen für Verspätungen auf der SBB-Strecke Kerzers und Bern sowie zwischen Payerne und Kerzers. Der Bahnverkehr ist nur beschränkt befahrbar.» Richtig wäre gewesen: Der Bahnverkehr ist nur beschränkt erfahrbar.

Rätselhafte

«Unstritten ist Inglins Abscheu vor dem Nationalsozialismus», lesen wir im «Tages-Anzeiger» über Meinrad Inglin, die «Sphynx aus Schwyz». Alles andere wäre ja auch undarft und unantwortlich.

Gedenkliche

«Er war der Inbegriff der politischen Satire in Deutschland», schreibt die Website von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) zum Tod von Dieter Hildebrandt und weist auf zwei ausgestrahlte Beiträge hin: «‹Er war ein Idol›: Giacobbo gedenkt Dieter Hildebrandt» und «‹Irgendwie hielt ich Hildebrandt für unsterblich›, sagt der Schweizer Kabarettist Franz Hohler im Interview mit SRF. Hohler gedenkt seinem deutschen Kollegen mit grossen Worten …» Wir haben das Gefühl, SRF versucht sich hier selbst in Satire. Und die darf bekanntlich auch den Dativ nehmen.

Todesfallige

Über Cicero lässt sich in der «Schweizer Illustrierten» Dr. Samuel Stutz aus: «Sogar die Nähe zum Tod ist im Alter für den römischen Philosophen keine Katastrophe. Die Natur sei vergänglich, und gleichgültig, ob man an ein Weiterleben nach dem Tod glaube oder nicht, ein elender Zustand bringe der Tod gewiss nicht.» Das ist mal wieder typisch Philosophie: Wer bringt wen oder was? Sich bloss nicht festlegen!

Ungeschickte

In derselben Zeitschrift befasste sich der ehemalige SP-Präsident Helmut Hubacher mit Problemen der Schweizer Armee, die schon den einstigen Generalstabschef Heinz Häsler beunruhigt hätten: «‹Es ist weit und breit kein Feind in Sicherheit›, jammerte er. Ohne ihn ist eine Armee verloren.» Also unter diesen Umständen kanns doch nicht so schwer sein, mal einen zu erwischen.

Verwirrliche

Auch unsere Regierung hat Schwierigkeiten, vor allem, wenn sie Volksinitiativen umsetzen soll. Das bundesrätliche Ringen um Klarheit durchschimmern zu lassen, gelang der NZZ mit der Formulierung: «Die vom Bundesrat am Mittwoch verabschiedete Verordnung zur Umsetzung der Minder-Initiative berücksichtigt einige Bedenken von Wirtschaftsvertretern und Juristen entgegen.»

Wirksame

In einer Umfrage wollte der «Tages-Anzeiger» von der akademischen Jugend wissen, wie sie es denn mit dem Studium halte. 23,4 Prozent der Befragten kreuzten die Variante an: «Ich meide Vorlesungen wenn möglich und eigne mir den Stoff selbser an.» Vermutlich ist das eine direkte Folge der landesweiten Kampagne eines Mobilfunkanbieters, bei der eine versonnen lächelnde Blondine empfiehlt: «Vergiss, was die anderen sagen. Du kannst.» kho

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