Nr. 02/2014 vom 09.01.2014

Verschränkte Arme

Von Karin Hoffsten

Das bisher Erstaunlichste im neuen Jahr ist, dass Vitus Huonder und ich mal einer Meinung sind. Laut «SonntagsZeitung» hält der Churer Bischof nämlich nichts von «sich als ungläubig bezeichnenden Personen, die sich kirchlich trauen lassen wollen». Dem lieben Gott zu schwören, erst mit dem Tod voneinander zu lassen, ist ja schon eigenartig, wenn man an ihn glaubt; ohne Glauben ist es bloss gaga. Weil der Bischof nun Intensivkurse für Paare fordert, fürchten andere Kirchenmänner, dass sich noch weniger trauen werden.

Überhaupt arbeitet der Bischof konsequent an der Dezimierung seines Gefolges. Homosexuelle und Geschiedene sollen ja auch den Sakramenten fernbleiben. Damit die sich am Sonntag nicht zu Hause langweilen, schlägt er vor: «Sie könnten zwar bei der Kommunion vor den Priester treten, müssten aber durch Verschränken der Arme signalisieren, dass sie ‹in einer irregulären Situation› oder ‹in schwerer Sünde› lebten.»

In derselben «SonntagsZeitung» ärgerte sich der Schweizer Delegationsleiter über Politiker, die die Olympischen Spiele boykottieren wollen: «Auf Putin zeigen sie mit dem Finger. Aber bei uns gibt es auch Bischöfe, die Homosexualität als Sünde bezeichnen – da bleibt der grosse Aufschrei aus.»

Aufs Verschränken der Arme sollten Schwule und Lesben in Russland aber vorsorglich verzichten.

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