Nr. 05/2014 vom 30.01.2014

Kein Heimatfilm

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Wer wie ich zwei Pässe besitzt, hat natürlich Vorteile: Zwei Länder nehmen mich auf, sollte ich auf der Flucht sein, und liefern mich hoffentlich nicht aus, sollte mir ein Mord unterlaufen. Aber es gibt auch Nachteile: Nationalgefühle schwinden oder werden zumindest zwiespältig, und selbst dem Lokalpatriotismus fehlt es an Schwung.

Nun findet Letzterer seine Erfüllung ja vor allem in heimatlichen Dialekten. SchweizerInnen kennen sich damit bestens aus und reagieren schon auf kleinste dialektale Differenzen. So nahmen es viele sehr übel, dass im Luzerner «Tatort» an der Fasnacht alle möglichen Dialekte zu hören waren, doch kaum jener von Luzern.

Was soll ich da erst sagen? Am 26. Januar 2014 war nämlich wieder mal das Saarland dran. Dort bin ich aufgewachsen, und die Menschen sagen gern: «Ei jo.» Bekanntlich lebt der sonntagabendliche Krimi neben dem Plot auch vom Lokalkolorit, doch der Saarbrücker «Tatort» eignet sich kaum noch für nostalgische Reminiszenzen. Die – gemäss Medienklatsch – ruppigen Konzeptänderungen des saarländischen Rundfunks haben ihm gar nicht gutgetan. Und «ei jo» sagt dort jetzt sowieso niemand mehr.

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