Nr. 08/2014 vom 20.02.2014

Die Abstimmung

Von Stephan Pörtner

Am Schluss kam es so, wie es sich der aussichtslose Kandidat vorgestellt hatte. Die Stimmen, die er auf sich versammelt hatte, waren an einer Hand abzuzählen. Der Rest des Stimmvolks hatte ihm jegliche Eignung zum öffentlichen Amt abgesprochen und das zum wiederholten Mal. So blieb ihm die Einsicht, dass das Risiko, als völlig unbekannter Kandidat ohne Programm, Plan und Budget je ins Rathaus berufen zu werden, verschwindend gering war. Obwohl er einst von einer Karriere als altgedienter Hinterbänkler geträumt hatte, verbitterte er nicht, sondern warf das Handtuch geradezu schwungvoll und konzentrierte sich fortan auf Wettbewerbsteilnahmen in Zeitschriften und am Radio.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt 
in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch