Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

Das Tic-Syndrom

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Wissen Sie, worum ich viele unserer PolitikerInnen beneide? Um die Fähigkeit, in einem traumverlorenen Seinszustand zu verharren, der ihnen erlaubt, sich vor feindlichen Luftangriffen mehr zu fürchten als vor den Begleiterscheinungen von Alter und Krankheit. Anders kann ich mir nicht erklären, nach welchen Kriterien sie unser Geld verteilen.

Bei uns Normalsterblichen ist es ja umgekehrt. Wir machen uns dauernd Sorgen, was aus uns werden soll, wenn wir alt und krank sind, und denken kaum an Luftangriffe. Den besagten Seinszustand erlangen wir erst im hohen Alter. Dann nennt er sich Demenz. Doch weil wir dann kaum noch wissen, wer wir sind, realisieren wir zum Glück auch nicht mehr, dass für unsere Pflege zu wenig Geld da ist.

Deshalb fassen jetzt viele ins Auge, demenzkranke Verwandte in Thailand unterzubringen. Das Klima ist angenehm, alte und gebrechliche Menschen geniessen hohe Wertschätzung, das Personal ist liebevoll, gut ausgebildet und preiswert. Aber ich würde trotzdem lieber hier bleiben.

Der oben erwähnte Timor impetus caeli (deutsch: Angst vor Luftangriffen, auch: Tic-Syndrom) wird uns langfristig rund zehn Milliarden Franken kosten. Dafür könnten 10 000 Pflegefachleute bei 6000 Franken Monatslohn fast vierzehn Jahre lang arbeiten.

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