Nr. 15/2014 vom 10.04.2014

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Ansteckende

Über den Favoriten bei den indischen Parlamentswahlen schrieb der «Tages-Anzeiger»: «Modi will die Religion für politische Zecke nutzen. Ist das nicht gerade in Indien ein Spiel mit dem Feuer?» Wir warnen in diesem Zusammenhang vor dem Tsutsugamushi- und dem Krim-Kongo-Fieber, der Kyasanur-Wald-Krankheit und dem sogenannten Endemischen Rückfallfieber, die alle durch Zecken übertragen werden können. Vor allem Letzteres scheint längst auf Europa übergegriffen zu haben.

Rücksichtsvolle

Die gleiche Tageszeitung kennt die Hauptrednerin für die 1.-Mai-Feier in Zürich: «Es ist Giuseppina Nicolini, die Bürgermeisterin der Insel Lampedusa. Sie setzt sich mit grossem Einsatz für einen offenen und menschenwürdigen Umgang mit Flüchlingen ein.» Nun gut, der steht natürlich jedem Menschen zu. Aber manchmal könnte man sich schon ein bisschen zusammenreissen, bevor man wieder mit «F*** d***!», «D*******» oder «W******» um sich wirft.

Sinnvolle

Ganz erstaunlich fanden wir folgende Nachricht auf persoenlich.com: «Ab sofort wirbt Sunrise mit dem neuen Claim ‹Das macht Sinn›, den die Werbeagentur TBWA\Zürich entwickelt hat.» Nein, nein – sicher nicht wegen des Anglizismus! Die Zeiten, in denen wir uns über das «Sinn machen» immer furchtbar aufregen mussten, sind vorbei, seit die Formulierung mit der Gewalt eines Dauertsunamis den deutschen Sprachraum flutet. Aber dass da tatsächlich jemand für diesen Satz freiwillig einen Haufen Geld bezahlt, macht für uns überhaupt keinen Sinn. «Alle Nicht-Kunden soll er zum Nachdenken anregen», heisst es weiter. Wow.

Emporgekommene

«Die Sisimanie überrollt Ägypten», meldete die NZZ: «Auch im Fernsehen gibt es keine Sendung, in der sein nicht Name fällt.» Ist es nicht faszinierend, wie weit man es selbst als No Name in der Politik bringen kann?

Komplizierte

Mit dem Buch «It’s complicated» will die Medienforscherin Danah Boyd besorgten Eltern aufzeigen, weshalb sich ihre Kinder in sozialen Netzwerken tummeln. Im «Magazin» zitierte eine Journalistin die Autorin: «Sie sagt: Moralische Paniken richten sich häufig auf neue Technologien. Im 18. Jahrhundert dachte man, Romane wie ‹Effie Briest› seien schädlich für junge Frauen und würden sie daran hindern, einen Ehemann zu finden.» Hm. Effi(e)? 18. Jahrhundert? Um ein möglichst breites Publikum zu erreichen, erlaubt Danah Boyd zum Glück den Gratisdownload ihres Buchs, und wir konnten reinschauen. Sinngemäss übersetzt heisst es im Original ohne Hinweis auf ein Jahrhundert: Man glaubte, Romane bedrohten die weibliche Moral, eine Sorge, die Gustave Flauberts «Madame Bovary» brillant behandelt. Die Geschichte der Emma Bovary erschien zwar ein paar Jahrzehnte vor Fontanes «Effi Briest», wurde aber eindeutig auch erst im 19. Jahrhundert geschrieben. Aber irgendwie hängt ja im Leben alles mit allem zusammen.

Epochale

Legendäre Figuren wie das «Terror-Grosi» oder der «Petarden-Trottel» haben im «Blick» endlich ihren würdigen Nachfolger gefunden: den «Instagram-Lüstling». Und das, liebe Digital Immigrants, ist kein Liebhaber von Pulverkaffee.

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