Nr. 16/2014 vom 17.04.2014

Das obszöne G-Wort

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Der neue Lehrplan 21 ist jetzt fertig vernehmgelassen. Auf der Basis diverser Kritiken hat die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) Änderungsvorschläge präsentiert, deren wichtigster ist: «Der Lehrplan 21 wird um 20 % gekürzt. (…) Der Begriff Gender wird im Lehrplan 21 nicht verwendet.» Die «Thematisierung geschlechterspezifischer Unterschiede» genüge.

Zu lang fand ich den neuen Lehrplan 21 ja auch, doch dass das Streichen des Begriffs «G*****», der mit Rücksicht auf unsere LeserInnen hier nicht mehr genannt wird, gleich zwanzig Prozent einspart, hat mich überrascht. Ich frage mich sowieso, was sich die D-EDK dabei gedacht hat, unsere Kinder damit zu belästigen. Selbst unter bildungsfernen Jugendlichen gilt die Beschimpfung «Geiler G*****!» längst als unterste Schublade.

Auch die Wirtschaft hat sich gemeldet, deshalb heisst es jetzt: «Thema Konsum überprüfen, Sicht der Produktion und der Unternehmen stärken.» Diese Forderung lässt sich mit der «Thematisierung geschlechtsspezifischer Unterschiede» gut verknüpfen. Hier mein Formulierungsvorschlag für die entsprechende Kompetenz: Die Schülerinnen und Schüler können mit fortlaufenden Einkäufen von «Forever Barbie Glitz etc.» (Mädchen) und «Power Ranger Super Samurai etc.» (Knaben) zur Existenzsicherung globaler Konzerne beitragen.

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