Kultour :

Nr. 18 -

Konzert

The Residents

Die legendenumrankte Gruppe The Residents, die in Augapfel- und Totenkopfmasken auftritt, ist seit über vierzig Jahren unterwegs, ohne dass die Identität ihrer Mitglieder je gelüftet wurde. Wer weiss, vielleicht stehen bei der Band aus San Francisco inzwischen bereits die Enkelkinder auf der Bühne, und es ist niemandem aufgefallen. Nach unzähligen Produktionen, in denen die Beatles, Maulwürfe, James Brown, Elvis Presley, Eskimos und andere Fabelwesen im Zentrum ihrer multimedialen musikalischen Zeitreisen standen, sind sie beim letzten Teil ihrer aktuellen Trilogie «Randy, Chuck & Bob» angelangt.

Nachdem sie sich 2010 in Teil eins über Tod und Phantome und 2013 in Teil zwei über die Liebe ausgelassen haben, sind sie aufs Ende hin bei Geburt, Wiedergeburt, Reinkarnation und Nahtoderfahrung, also im «Shadowland», angekommen. Jetzt sind sie also dort, wo sie schon immer waren, und nutzen alle Kanäle, um das Geheimnis zu bewahren, das sie zu Ikonen der Popmusik werden liess.

The Residents in: St. Gallen Grabenhalle, 
Mo, 5. Mai 2014, 20 Uhr (Vorband: Xiu Xiu). 
Lausanne Les Docks, Di, 6. Mai 2014, 20.30 Uhr. 
www.residents.com

Fredi Bosshard

The Nits

Die holländische Band The Nits feiert ihre vierzig Bühnenjahre in Zürich mit einem Spezialprogramm. Henk Hofstede, Gitarrist und Sänger, sowie Rob Kloet sind Gründungsmitglieder und haben über die Jahrzehnte hier viele FreundInnen gefunden. Darunter sind Fiona Daniel, Eric Facon, Shirley Grimes, Vera Kappeler, Ray Wilko, Big Zis, Nadja Zela und weitere. Sie interpretieren die Songs der Nits neu und bilden zum Finale die Isnt-Band.

Nits Tribute Konzert in: Zürich Schauspielhaus am Pfauen, Sa, 3. Mai 2014, 20 Uhr. www.moods.ch

Fredi Bosshard

Film

Bonzen essen im Xenix

«Geld», sagt der Detektiv, «ist eine Fiktion.» Er sitzt an einem riesigen Pult, ein breiter Mann mit breitem Schnauz, vor sich zwei Aschenbecher, hinter ihm ein scheussliches Ölgemälde eines Kriegsschiffs. «Geld gibt es längst keines mehr, das ist alles geschwindelt.» Der private Ermittler weiss, wovon er spricht, schliesslich verdankt er dem fehlenden Geld einen guten Teil seiner Arbeit, wenn er im Auftrag von Gläubigern säumigen Schuldnern nachspioniert.

Der Detektiv ist nur eine der vielen Stimmen, die Eva Eckert in ihrem Dokumentarfilm «Schulden G.m.b.H.» zu Wort kommen lässt, um ein umfassendes Profil des Schuldenwesens in Österreich zu erstellen. Auch mit dabei: Gerichtsvollzieher, ein Schuldenberater, aber auch die krawattierten Herren von den Inkassobüros, die in adretter Scheinheiligkeit das Unwissen der Leute in finanziellen Dingen beklagen, was sie aber nicht daran hindert, aus diesem Unwissen ihren Profit zu schlagen.

Die Schuldenlogik darf natürlich nicht fehlen, wenn das Zürcher Kino Xenix in seiner aktuellen Reihe unter dem Titel «Eat the Rich» zwanzig Filme über den Kapitalismus versammelt. «Schulden G.m.b.H.» läuft dabei als Schweizer Premiere und zeigt in seiner beklemmenden Nüchternheit, was die Kultur des Geldes bei denen anrichtet, die sich Kredite eigentlich nicht leisten können. Man sieht hier gewissermassen den realen Bodensatz dessen, was die grossen Player hinter ihren verspiegelten Fassaden treiben – wie im Spielfilm «Margin Call», wo ein paar Banker an der Wall Street den grossen Crash kommen sehen und darum über Nacht noch schnell ihre faulen Papiere loswerden wollen.

Das Feld ist also weit gesteckt, von den Chefetagen in den Metropolen der Hochfinanz bis zur Geschichte des Nilbarschs in «Darwin’s Nightmare», von Akira Kurosawa («High and Low») bis David Fincher («Fight Club»). Und wer nochmals wissen will, wie das genau war mit der Kreditkrise, halte sich an die ökonomische Lehrstunde des Dokumentarfilmers Charles Ferguson («Inside Job») oder schaue sich nochmals an, wie Jean-Stéphane Bron den Banken den Prozess macht («Cleveland vs. Wall Street»).

«Eat the Rich: 20 Filme über Kapitalismus» in: Zürich Kino Xenix, bis 28. Mai 2014. Genaues Programm: www.xenix.ch.

Florian Keller

Volkstanz

Das grosse Tanztheater

Oberbaselbieter Ländlerkapelle, Quartett Laseyer, Trachtenmusik Küsnacht, Guschtis Original-Urchige Bergler- und Sennenkapelle: Das sind alles Namen, die kaum jemand mit der Roten Fabrik in Zürich verbindet. Nun spielen sie aber dort zum Tanz auf, bieten neben Schottisch und Mazurkas auch den passenden Crashkurs für alle, die noch nicht so volkstanzfest sind.

Das Ganze ist in das drei Tage dauernde Festival «Zürich tanzt» eingebettet, das vom Schiffbau über das Tanzhaus bis zur Gessnerallee und zum Filmpodium die verschiedensten Lokalitäten zum Vibrieren bringt. Aber auch die Josefswiese und der Turbinenplatz werden zur Tanzbühne, diverse Gemeinschaftszentren sind eingebunden, und im Alterszentrum Limmat gibt es einen Crashkurs für SeniorInnen. Zürich tanzt Lindy Hop, Balboa, Tango, Bachata, Capoeira, Yoga Breakdance – und vor allem beinahe «around the clock». Aber auch in der übrigen Schweiz wird getanzt, und das in gegen zwanzig Städten zwischen Genf, Lugano, Poschiavo, Saignelégier und St. Gallen.

«Zürich tanzt» in: Zürich Verschiedene Orte, 
Fr–So, 2.–4. Mai 2014. Volks-Tanzfäscht, Rote Fabrik, Sa, 3. Mai 2014, 17–02 Uhr. Gesamtprogramm: 
www.zuerichtanzt.ch, www.dastanzfest.ch.

Fredi Bosshard