Nr. 22/2014 vom 29.05.2014

Der entkleidete Genius

Von Karin Hoffsten

Am Mauerblümchendasein des Frauenfussballs sind die Frauen selber schuld. Würden sie sich gegenseitig die Schienbeine zertrümmern und sich grundlos jammernd auf dem Rasen wälzen, erhielten sie mehr Aufmerksamkeit und ebenfalls Millionengagen, denn da zeigt sich der männliche Genius.

Ungefähr so äusserte sich kürzlich eine Autorin im «Tages-Anzeiger»; zum Beweis nannte sie neben Maradona weitere Genies: «Rembrandt war ein Bankrottbetrüger, Caravaggio tötete in seiner Wut einen Gegner, beim Ballspiel übrigens. Schmälert das ihre Kunst?» Natürlich nicht! Und der Frau, dem braven Ding, bleibt ja immer noch das Ausziehen.

Drum betreibt der «Blick» jetzt internationale Frauenförderung: «Sie können während der WM ganz gross rauskommen. Der ‹Blick› sucht Frauen, die für ihr Land die Hüllen fallen lassen. (…) Sie sind für Ihr Land der zwölfte Spieler auf dem Platz.» Wow! Davon träumt doch jede: nackig zwischen kraftstrotzenden Kerlen auf dem Rasen rumtoben! Und hinterm gegnerischen Tor neckisch mit den Titten wackeln, damit die eigene Elf auch trifft!

Nein – so ist es natürlich nicht gemeint. «Der zwölfte Spieler auf dem Platz» gibt wie üblich das blutte Häschen auf Seite 1, aber diesmal mit Dessous in den jeweiligen Nationalfarben. Und die Gage? Ach, Baby – behalt die Klamotten an, und vergiss es!

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