Nr. 22/2014 vom 29.05.2014

Ägypten

Drei Jahre sind seit der Revolution in Ägypten vergangen. Was ist davon geblieben? Gibt es Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft? Im Luzerner Romero-Haus ziehen ausgewiesene ÄgyptenkennerInnen am kommenden Mittwochabend, 4. Juni, Bilanz. Der schweizerisch-ägyptische Doppelbürger Samir Boulos zeigt auf, wie koptische und muslimische Bevölkerungsgruppen in Ägypten zusammenleben und welche Ursachen immer wieder zu Konflikten zwischen ihnen führen. Hartmut Fähndrich, ein bedeutender Übersetzer arabischer Literatur, kommt darauf zu sprechen, wie es zur Übernahme der Macht durch das Militär kam. Und die Islamwissenschaftlerin Sarah Farag geht auf die Situation der Frauen im Spannungsfeld von Militärherrschaft und IslamistInnen ein. Zudem gibt Oud-Spieler Nihad al-Sayed ein Konzert, und der ägyptische Künstler Mina Nasr eröffnet seine Ausstellung «Autoignition».

Luzern RomeroHaus, Kreuzbuchstrasse 44, 
Mi, 4. Juni 2014, ab 18 Uhr. Weitere Infos: 
www.romerohaus.ch.

Einheitskrankenkasse

Bereits im Herbst wird national über die sogenannte Einheitskrankenkasse im Bereich der Grundversorgung abgestimmt. Wird es dadurch einfacher und billiger, weil nur noch ein Gesprächspartner Verantwortung trägt und die Jagd nach guten Risiken, die Werbung, Rezessionen und Telefonate aufhören? Oder verliert die Grundversicherung durch den aufgehobenen Wettbewerb an Flexibilität, Effizienz und Innovationspotenzial? Fressen die als hoch geschätzten Kosten für die administrative Einführung der Einheitskasse die an sich zu erwartende Senkung der Kosten auf? Am nächsten Donnerstagabend, 5. Juni, stehen sich im Zürcher Zentrum Karl der Grosse die beiden politischen Lager gegenüber und diskutieren miteinander: Die Gesundheitsökonomin Anna Sax vertritt das Ja-Lager, Konstantin Beck, Direktionsmitglied bei der CSS Versicherung, die Gegenseite.

Zürich Zentrum Karl der Grosse, Kirchgasse 14, 
Do, 5. Juni 2014, 18.30 Uhr.

Freihandelsabkommen

Zurzeit verhandeln die EU und die USA über das Freihandelsabkommen TTIP. Dies im Geheimen, die Öffentlichkeit ist von den Verhandlungen ausgeschlossen. Der Widerstand gegen das Abkommen, das ökologische und soziale Standards aushöhlen und Konzernen enorme Macht verleihen würde, nimmt – besonders in Deutschland – stark zu. Hierzulande ist es bisher viel zu ruhig geblieben, dabei betrifft das Abkommen auch die Schweiz. Décroissance Bern organisiert aus diesem Grund am nächsten Donnerstag, 5. Juni, im Käfigturm eine Informationsveranstaltung zum Thema «TTIP: ‹Jobs and Growth› oder ‹Ausverkauf der Demokratie›?» Nikolai Fuchs von der Nexus Foundation wird zum Thema referieren.

Bern Käfigturm, Marktgasse 60, Do, 5. Juni 2014, 19 Uhr. Mehr Infos unter: www.decroissance-bern.ch.

HIV

Gegenüber medizinischem Personal oder an einem geschlossenen Anlass wie dem Workshop für HIV-neu-diagnostizierte Männer «Queer+» ist es nicht gar so schwierig, seine HIV-Diagnose mitzuteilen. Wie handhabe ich das aber im Alltag, gegenüber Freunden, Arbeitskollegen, Sex Buddies? Was sind Vor- und Nachteile einer Offenlegung? Darüber wird am Freitagabend, 30. Mai, im Zürcher Restaurant Bubbles diskutiert.

Zürich Restaurant Bubbles, Werdstrasse 54, 
Fr, 30. Mai 2014, ab 18 Uhr.

Massenwandern

Es ist eng in der Schweiz, lautet die Erzählung der Rechten, die in den letzten Jahren zu einer immer repressiveren Einwanderungspolitik geführt hat. Gegen diese Angstmache, die in der Zustimmung zur SVP-Initiative am 9. Februar ihren Höhepunkt erreicht hat, formiert sich eine Bewegung, die mit ihren «Massenwanderungen» ein Zeichen des Protests setzt. Zugleich geht es um die Möglichkeit eines gemeinsamen Diskussionsraums. Die nächste «Massenwanderung» findet diesen Samstagmorgen, 31. Mai, in der Zürcher Agglo statt: Die Route führt vom Glattpark in Opfikon nach Effretikon.

Opfikon Glattpark (Tramhaltestelle Fernsehstudio), Sa, 31. Mai 2014, ab 9 Uhr. Weitere Infos unter: 
www.bewanderteschweiz.wordpress.com.

Migration I

Im letzten Sommer setzten mehrere St. Galler Kulturinstitutionen ein Zeichen gegen die geplanten Asylgesetzverschärfungen und organisierten die Veranstaltungsreihe «Nachtasyl». Nun folgt die Neuauflage, weil die Diskussion der herrschenden Zustände im Asylbereich nach wie vor dringlich ist und nur in einem internationalen Kontext begreifbar, auch wenn die Rechte weismachen will, die Schweiz sei eine Insel. Entsprechend international ausgerichtet ist das «Nachtasyl»-Programm. Am Freitag, 30. Mai, informiert das Antirassistische Netzwerk Sachsen-Anhalt über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland, am Donnerstag, 5. Juni, spricht der bekannte italienische Aktivist und Journalist Gabriele del Grande über die «Festung Europa», und am Freitag, 6. Juni, liefert das sudanisch-französische Duo Débruit & Alsarah den Soundtrack zu Reflexionen über Migration im 21. Jahrhundert.

St. Gallen diverse Auftrittsorte, Do, 29. Mai 2014, 
bis Mo, 9. Juni 2014. Detailliertes Programm: 
www.nachtasyl-sg.ch.

Migration II

Der italienische Journalist Gabriele del Grande hat 2006 die Beobachtungsstelle «Fortress Europe» gegründet und ist einer der profiliertesten KritikerInnen der europäischen Asylpolitik, die sich in der Abschottung und der Militarisierung der Grenzkontrollen manifestiert. Als Folge dieser Politik ist beispielsweise das Mittelmeer zu einem Massengrab für Flüchtlinge aus Afrika geworden. Del Grande hat diese Entwicklung seit Jahren protokolliert und darüber recherchiert. In den kommenden Tagen ist er in der Schweiz zu Besuch – in Zürich, Luzern und St. Gallen –, um die europäische Asylpolitik zu beschreiben: Wo verlaufen die Grenzen, wer erhält sie aufrecht, wer finanziert sie, und wer wehrt sich dagegen?

Zürich Rote Fabrik, Clubraum, Di, 3. Juni 2014, 
19.30 Uhr; Luzern Neubad, Mi, 4. Juni 2014, 19.30 Uhr; St. Gallen Palace, Do, 5. Juni 2014, 20.15 Uhr.

Nachhaltigkeit

Im Rahmen der «Uni von unten» lädt die Basler Liste 13 gegen Armut und Ausgrenzung am kommenden Montagabend, 2. Juni, zu einem Referat über das Thema «Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft» ein. Konkret geht es – vor dem Hintergrund einer historischen Perspektive – um die Frage, was die aktuellen Regel- und Kontrollsysteme des Staates für jene heissen, die in Basel prekär und widerständisch leben.

Basel Internetcafé 13, Klybeckstrasse 60, 
Mo, 2. Juni 2014, 19 Uhr.

Überwachung

Auf Bundesebene laufen zurzeit Bestrebungen, die Überwachungsbefugnisse des Bundes massiv auszubauen. Einerseits soll der Geheimdienst bald neue Kompetenzen erhalten, andererseits werden Polizei und Staatsanwaltschaften künftig die Kommunikationsmittel von Verdächtigen noch umfassender abhören und überwachen können – insbesondere falls die Totalrevision des Bundesgesetzes zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Büpf) durchkommt, das derzeit im Parlament beraten wird. Doch der Widerstand gegen die neue Überwachung des Bundes wächst. Besonders aktiv sind Organisationen wie der Chaos Computer Club, die Digitale Gesellschaft oder die Swiss Privacy Foundation. Und neben der Piratenpartei engagieren sich besonders die Jungparteien gegen das Büpf. Diese Kräfte rufen am kommenden Samstagnachmittag, 31. Mai, zu einer Demo auf dem Berner Bundesplatz auf: Für das Grundrecht auf Privatsphäre, gegen die Überwachung auf Vorrat!

Bern Bundesplatz, Sa, 31. Mai 2014, ab 15 Uhr. 
Weitere Infos auf: www.stopbuepf.ch.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch