Nr. 26/2014 vom 26.06.2014

Antirassistisches Jekami

Künstler machen es einem manchmal wirklich nicht leicht: «In diesem Sommer findet in der Reitschule eine DIY-Sommerwerkstatt statt, eine kreative Allmend, ein Open-Source-Skillshare-Event zu Kunst und Politik: ein anti-elitäres Jekami, ein intergalaktisch-antirassistischer Grassroot-Playground». Alles klar? Nein? Es gibt unter anderem eine Wortwerkstatt und eine mobile Siebdruckerei, ganztags, für jedermann.

Bern Reitschule, Mo, 7. bis Sa, 19. Juli 2014, mehr Infos: www.susanschwarm.wordpress.com

Burn-out und Bore-out

«Nur d’ Affe gönd go schaffe», sagte ein weiser Mann einmal. Weil alles nicht so einfach ist, wie er sich das vorgestellt hat, organisiert der Verein Flying Science während des Sommers eine Reihe zu den Gefahren von zu viel und zu wenig Arbeit, neudeutsch Burn-out und Bore-out. Im ersten Teil hatte Ueli Mäder die Erwerbsarbeit beleuchtet. Im zweiten Teil nun widmet sich Nicole Wagner, Amtsleiterin Sozialhilfe, dem Thema «Leben ohne Erwerbseinkommen – facts and figures».

Basel RAV, Utengasse 36, Di, 1. Juli 2014, 18.30 Uhr.

Wahnsinn statt Blatter

Aus Brasilien schwappen zurzeit nicht nur die korrumpierte Fussballweltmeisterschaft und Bilder von Sepp Blatter oder irren kolumbianischen Hakenkreuzpriestern herüber, sondern zum Glück auch Autoramas aus Rio de Janeiro. Die Band ist mit ihrer «Garage madness from the jungle», kurz psychedelischem Rockabilly, ein Beleg dafür, dass die Revolution tanzbar ist. Ihre Platten tragen zudem aufmunternd-schöne Titel wie «Stress, Depressão & Síndrome do Pânico».

Basel Hirscheneck, Lindenberg 23, Do, 26. Juni 2014, 
22 Uhr.

Israel/Palästina

Während es im Westjordanland wieder zu tödlichen Razzien der israelischen Armee kommt, berichtet Shirin Amrad, eine Schweizerin mit israelischen Wurzeln, im Café Palestine im Zürcher Quartierzentrum Aussersihl/Bäckeranlage von ihrer jüngsten Arbeit als Menschenrechtsbeobachterin. Anfang 2014 reiste sie nach Palästina und machte sich in Bethlehem und in Jerusalem ein Bild von der Lage. Amrad berichtet von Konfrontationen zwischen jüdischen Siedlern, Soldaten und Palästinensern und von neuen Siedlungsprojekten auf palästinensischem Land.

Zürich Hohlstrasse 67, So, 29. Juni 2014, 
Essen ab 17 Uhr, Vortrag ab 18 Uhr.

Swiss Life, Tier und Quartier

In Andys Tierhüüsli im Zürcher Kreis 4 kann man seit fünfzehn Jahren Sofas für Hunde und Katzen kaufen, Bachblütenmischungen für aggressive oder eifersüchtige Hunde oder solche, die den Lärm der Stadt nicht ertragen. Es gibt Namensschilder, Futter aller Art, und einmal im Jahr organisiert der Laden in der Stadt ein Hunderennen. Damit soll Ende 2014 Schluss sein. Die Besitzerin des Grundstücks, die Swiss Life AG, hat eine Mieterhöhung um vierzig Prozent angekündigt. «Damit wird ein weiterer Quartierladen, meine wirtschaftliche Existenz und mein Arbeitsplatz, der Profitgier geopfert», schreibt Andy. Quartierhistoriker Hannes Lindenmeyer hat inzwischen eine Petition lanciert: «Swiss Life, lass den Tieren ihren Napf». Zwecks Übergabe der Petition am 2. Juli wird zu einer Protestversammlung vor dem Swiss-Life-Gebäude aufgerufen. «Wir solidarisieren uns mit einem Kleingewerbler aus dem Quartier», schreiben die VeranstalterInnen: «Swiss Life, seien Sie so verantwortungsvoll, wie Sie behaupten: Beenden Sie die Profitoptimierung auf Kosten des Kleingewerbes und der Vielfalt im Quartier.» Heute sei es Andys Tierhüüsli, «morgen vielleicht dein Comestibles, deine Schreinerei, dein Schuhmacher».

Zürich Hauptsitz Swiss Life, 
General-Guisan-Quai 40, Mi, 2. Juli 2014, 13 Uhr.

Markt und Moral

Dass der Markt die Moral verderben kann, ist eine relativ alte Geschichte. Und sie ist immer wieder brandaktuell. Wer trotzdem erleben will, dass es Menschen gibt, die sich auch im 21. Jahrhundert die Frage stellen, ob dem wirklich so ist, dem sei eine Veranstaltung mit Altbundesrat Pascal Couchepin, Ex-NZZ-Journalist und Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz sowie dem Wirtschaftsethiker Stephan Rothlin ans Herz gelegt: «Freiheit und Solidarität oder verdirbt der Markt die Moral?» Nützt es nicht, so schadet es hoffentlich auch nicht allzu sehr.

Zürich Hörsaal F101, Universität Zürich, 
Do, 10. Juli 2014, 19 Uhr.

Ruth Weiss in Basel

Als Jüdin mit der Familie aus Deutschland nach Südafrika geflüchtet, wurde die Journalistin Ruth Weiss eine scharfe und wichtige afrikanische Kritikerin des Apartheidregimes, von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. In den sechziger Jahren wurde sie dort auf eine schwarze Liste gesetzt und des Landes verwiesen. Gleiches widerfuhr ihr kurze Zeit später auch im damaligen Rhodesien, nachdem sie berichtet hatte, wie die Regierung UN-Sanktionen umgangen hatte. Ihre zahlreichen Sachbücher sind in verschiedenen Sprachen erschienen. «Meine allererste Frage, die ich stellen möchte» – so hatte Ruth Weiss häufig ihre legendären Interviews begonnen. Eine Ausstellung in Basel hat nun 180 Tonbänder mit Interviews, Pressekonferenzen und Konzertmitschnitten ausgewertet und daraus ein Arbeitsporträt der Journalistin und Schriftstellerin geschaffen, das auch ein Porträt der Befreiungspolitik im südlichen Afrika ist. Ruth Weiss, inzwischen neunzig, wird an der Vernissage von «My very first question to you» anwesend sein.

Basel Basler Afrika Bibliographien, Klosterberg 23, Vernissage: Fr, 27. Juni 2014, 18.30 Uhr; Ausstellung: Sa, 28. Juni bis Sa, 23. August 2014; weitere Infos zu Begleitveranstaltungen, etwa zu den Werkstattgesprächen vom 28. und 29. Juni 2014, 
unter www.baslerafrika.ch.

Ukraine

Eine illustre Gästerunde findet sich am 29. Juni im Berner Kornhausforum ein: Nataliya Kabatsyi vom Komitee der medizinischen Hilfe in Transkarpatien, Tatiana Peklun vom Anticorruption Action Center und Maksym Butkevych von Social Action (beide Kiew), Konstantin Reutsky vom Human Rights Center Postu in Luhansk und Jürgen Kräftner von der europäischen Kooperative Longo Maï diskutieren, wie die Zivilgesellschaft in der Ukraine gestärkt werden kann. Was hat sich für die Landbevölkerung seit der Maidanbewegung geändert? Hat der Maidan die erhoffte Veränderung in der ukrainischen Politik geschaffen? Was waren die Auslöser für die Konflikte auf der Krim und in der Ostukraine? Ändert die Maidanbewegung die Haltung des ukrainischen Staats gegenüber Flüchtlingen und MigrantInnen? Und welche Gefahr stellt die rechtsextreme Szene für die ukrainische Gesellschaft dar?

Bern Kornhausforum, Kornhausplatz 18, 
So, 29. Juni 2014, 10 bis 18 Uhr. Anmeldungen und weitere Infos via info@prolongomai.ch.

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