Nr. 34/2014 vom 21.08.2014

Von Karin Hoffsten

Verlorene

Die Welt litt mit, als die Schweizer Staffelläuferinnen in ihr Unglück starteten. Nur der Zürcher Verkehrsverbund zeigt sich ungerührt. Am Tag danach sahen wir in den Trams ein Plakat, auf dem die Frauen den Stab noch stolz in der Hand halten: «Rechtzeitig am Start – mit den ZVV an die Leichtathletik-EM» – was ja auch zweifellos geklappt hat. Der Slogan «Steig ein. Komm weiter» war weniger erfolgreich.

Verlegte

Mit einer Ankündigung in der WOZ Nr. 32/14 irritierten wir die Basler Leserin M. Wir versprachen dort «Reisen ins helvetische Landesinnere. Basel ist die erste Destination.» Wir bitten alle BaslerInnen um Nachsicht und versichern, dass wir keinerlei Grossschweizer Fantasien mit Heidelberg als nördlicher Grenzstadt hegen.

Pflegeleichte

Auf dem Etikett eines Kleidungsstücks in Kindergrösse 104, «Made in China», fanden wir den Hinweis: «100% Polyester, 40°, Wash Inside Out. Remove Child Before Washing». Man soll es übrigens auch nicht bügeln.

Trainierte

Im «Tages-Anzeiger» lasen wir, dass AspirantInnen der Zürcher Stadtpolizei in Parkour geschult wurden – jener urbanen Sportart, bei der Dächer erklommen und Mauern übersprungen werden. Das Fazit des Textes lautete: «Gegen Ende Schluss der dreistündigen Ausbildungseinheit beissen alle.» Bleibt die Frage, ob das noch unsere Freunde und Helfer sind.

Saubere

Eine Bildlegende in der NZZ zeigte wieder einmal, weshalb die Schweiz als besonders hygienisches Land gilt: «Bevor Freitag-Angestellte Lastwagenplanen zu Taschen verarbeiten, werden sie maschinell gereinigt.»

Genaue

Da unsere unermüdlichen Bemühungen um die Reinerhaltung des Genitivs an unseren LeserInnen nicht spurlos vorbeigehen, wies uns Frau U. auf eine Meldung in der NZZ – «Stau wegen Unfalls am Gotthard» – und den Duden hin: «Ein allein stehendes, stark gebeugtes Substantiv im Singular bleibt im Allgemeinen ungebeugt» – also kein s am Unfall. Hier wären wir nicht ganz so streng gewesen. Und die Formulierung «aller Anfeindungen zum Trotz» im «Blick am Abend» fällt auch für uns unter Genitivexzess.

Ignorierte

Apropos: Anlässlich des Tods von Peter Scholl-Latour schrieb der «Bund»: «Es gibt Journallistenbücher, die sogar jene kennen, die das Buch nie aufgeschlagen haben.» Der Duden gehört da wohl nicht dazu.

Prügelnde

«Das aus luftigem Blätterteig und (…) mit Mandel- und Zwetschgenmasse gefüllte Gebäck lässt die Gemüter höher schlagen», heisst es auf www.glarner-pasteten.ch in Anspielung auf den berühmten Roman «Wen das Gemüt schlägt» des Glarners Ernst Heftiweg. Auch in Zürich haben Schläge aller Art Tradition, unabhängig von der Weltanschauung. So zitierte der «Tages-Anzeiger» den Präsidenten der Kirchgemeinde Höngg, Jean E. Bollier: «Für Bollier hat das nächtliche Schlagen keinen Bezug zum Christsein.»

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