Nr. 36/2014 vom 04.09.2014

Die beige Innovation

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Wenn Fräulein Dr. M. zuweilen im Deutschunterricht erwähnte, in Bonn würden Notstandsgesetze vorbereitet, hielten meine Mitschülerinnen und ich das für eine Fieberfantasie. «Jetzt schwingt sie wieder den roten Hammer», kicherten wir und liebten sie dennoch. Der deutsche Geschichtsunterricht endete in den sechziger Jahren sowieso schon 1918.

Die Geschichtslektionen, die Anian Liebrand und seine Junge SVP genossen haben, müssen ähnlich dürftig gewesen sein, sonst wäre ihnen selbst aufgefallen, dass ihre neuste Idee nicht neu ist: Auf freie-schulen.ch sollen Schweizer SchülerInnen melden, von welchen Lehrpersonen sie sich «einseitig politisch» – sprich links – beeinflusst fühlen.

Aber mit historischen Parallelen haben die SVP und zugewandte Orte ja immer ein bisschen Mühe. So verweigert Toni Brunner dem BDP-Präsidenten Martin Landolt neuerdings strikt die Hand und das Wort, weil dieser geäussert hat, die SVP mache «braune» Politik. Ich erwähne drum jetzt hier nicht, dass schon das Unterrichten von Hitlerjungen und BDM-Mädels in den dreissiger Jahren für LehrerInnen nicht ganz einfach war.

Im Übrigen geben sprachliches und gestalterisches Niveau der erwähnten Website ebenfalls zu ernster Sorge Anlass. Aber das will ich dem geplagten Lehrpersonal nun nicht auch noch in die Schule schieben!

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