Nr. 40/2014 vom 02.10.2014

Starke Talente

Von Karin Hoffsten

Natürlich können auch Diktatoren kreativ sein – und für diese Erkenntnis muss man keineswegs einmal mehr die Kunstmalerei des Herrn H. breittreten. Saddam Hussein soll noch im Gefängnis gedichtet, gegärtnert und Muffins gebacken haben, Mao Zedong schrieb sein kleines rotes Buch und setzte damit gleich eine ganze Kulturrevolution in Gang, und Muammar al-Gaddafi verfasste immerhin ein ebensolches in Grün. Und wer erinnert sich nicht gerührt der Dichtkunst unseres allseits beliebten Altbundesrats Hans-Rudolf Merz, dem diktatorische Züge allerdings gänzlich abgehen.

Neue Impulse auf diesem Gebiet kommen jetzt laut «Tages-Anzeiger» aus Thailand. Prayuth Chan-ocha, mittels Putsch im Mai selbst eingesetzter Regierungschef, moniert «zu viel Gewalt und Streit» im Fernsehen, wünscht «positivere Handlungsstränge für die Seifenopern in seinem Land» und drohte an: «Wenn die Drehbuchschreiber das nicht schaffen, werde ich sie selbst schreiben.»

Mit Konfliktlösungsstrategien hat der Mann schliesslich Erfahrung. Nach seinem Drehbuch wird in thailändischen Serien permanent gelächelt, bei Streit greift das Familienoberhaupt zum Stock, aufsässige Jugendliche erhalten Hausarrest, und Eheprobleme enden blitzschnell vor dem Scheidungsrichter. Und die Einschaltquoten werden gegen 98 Prozent tendieren.

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