Nr. 45/2014 vom 06.11.2014

Fall Schaffner: Selber schuld!

Von Jürg Frischknecht

Diese Woche hat der «Tages-Anzeiger» dem ehemaligen Stadtzürcher Polizeispitzel Willy Schaffner alias «Willy Schaller» eine Doppelseite gewidmet – nach dessen Pensionierung. Schaffner war 1986 der zweite Beamte der Staatsschutzabteilung KK III der Zürcher Stadtpolizei, den die WOZ als Undercoveragent in der «Bewegung» enttarnte. Willy sei «von eigenen Leuten verpfiffen» worden, «wahrscheinlich aus der Stadtpolizei», vermutet nun der «Tages-Anzeiger» in seinem Artikel. Eine frei erfundene Ablenkungslegende.

Vor «Willy» hatte die WOZ damals den KK-III-Spitzel «Marco» enttarnt. Beim Sichten von Demofotos fiel rasch auf, dass neben «Marco» stets derselbe bärtige Brillenträger stand: «Willy». Dieser hatte sich militanten Gruppen als Sprengstofflieferant empfohlen und gleich mögliche Bombenziele genannt (was er heute zu relativieren sucht).

Nur: Wer war «Schaller»? Es folgte eine dreiwöchige aufwendige Recherche, zusammen mit Bespitzelten. Den Durchbruch brachte schliesslich ein Tipp aus Altdorf. Dort hatte «Schaller» mit gefälschten Ausweisen geblufft. Am Stammtisch, wo alle ihren Willy als Schaffner kannten.

Dass «Schaller» aufflog, ist dem stümperhaften KK III zu verdanken: Willys dilettantischem Führungsoffizier, der die zwei Spitzel ab 1980 immer wieder als Zwillinge an Demos schickte. Und Willy, der daheim im Urnerland nicht aufs Maul hocken konnte. Selber schuld.

Nachtrag zu verschiedenen WOZ-Artikeln, Oktober bis Dezember 1986.

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