Nr. 45/2014 vom 06.11.2014

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Flussdiagrammatikalische

«Das grösste verbliebene Areal im Kanton liegt im Glattal. In Dietikon genauer, in der Verlängerung des Limmatfeldes, das mit seinem 80 Meter hohen Wohnturm Limmat Tower bereits heute grossstädtisches Flair verströmt.» Jedoch der «Tages-Anzeiger», in dem dies stand, kein geografisches. Dietikon und Dietlikon verwechseln, das könnte uns auch passieren, wobei Letzteres im Glattal zu finden wäre, doch alles fliesst nicht in Dietikon, auch wenn es einst hiess: «Glatt für alli».
Jürg Fischer

Konservierende

Nur weil eine Zeitung Kurzfutter produziert, heisst das nicht, dass dieses nicht inhaltlich relevant sein kann, aber auch nicht, dass da keine Stilblüten gedeihen. So formulierte der «Blick am Abend»: «In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und politischer Unsicherheit regiert das Misstrauen. Es blühen die Gerüchte, die im Laufe der Zeit zu ganzen Verschwörungskomplexen hochsterilisiert werden.» Falsches Bild, sagen Sie? Es ist doch nur konsequent: Wo etwas hochgekocht wurde, ist es nachher sterilisiert und umso länger haltbar.
Jürg Fischer

Ungierige

«Jugend-Sparkonten: Sparkonten für Kinder und Jugendliche sind gefragt, trotz hoher Zinsen», wusste die NZZ. Genau so wird es sein. Die Jugend von heute schämt sich ein bisschen für die hohen Zinsen, aber man gönnt sich ja sonst nichts.
Jürg Fischer

Langatmige

«Gassenhauer der Barockmusik» zählte SRF.ch im Rahmen seines Themenschwerpunkts auf, darunter auch «Händels Oratorium ‹The Messiah›, das die Geburt Christi bis zur Himmelfahrt nacherzählt». Zum Glück hat keiner der Evangelisten explizit erwähnt, dass der göttliche Geburtsvorgang so lang gedauert hat, sonst müssten wir jeweils nicht nur ein halbes Jahr, sondern 33 Jahre am Stück mit «Jingle Bells» und Weihnachtsdeko leben.
Karin Hoffsten

Ausreichende

Neues aus dem geheimnisumwitterten Reich der Statistik wusste die «Aargauer Zeitung»: «In drei von zwei Haushalten befindet sich ein Tablet (68 Prozent).» Mit der hier angewandten Zählmethode liesse sich zweifellos auch der Welthunger besiegen.
Karin Hoffsten

Unverschämte

Der «Tages-Anzeiger» informierte: «Kritiker monieren, viele gesetzliche Regeln der Jagd seien bei der Sonderjagd au- sser Kraft.» Offenbar hat da tatsächlich jemand mitten im Satz geschossen!
Karin Hoffsten

Geschlechtliche

Unser letztwöchiger Titel «Der Virus, der Tod, die Angst» erregte Widerspruch. Während sich Leserin Z. echauffierte: «Ist noch nicht zu Euch durchgedrungen, dass es DAS Virus heisst?», fand Leser B. mildere Worte: «‹Das Virus Der Tod Die Angst› wär doch fantastisch gewesen. Aber klar, ‹der› Virus ist nach Duden auch nicht falsch.» Der meint nämlich: «Ein Virus ist nicht nur in medizinischer, sondern auch in sprachlicher Hinsicht ein Verwandlungskünstler.» Wir danken herzlich und wünschen Frau Z. schnelle Erholung.
Karin Hoffsten

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