Nr. 09/2015 vom 26.02.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Betrogene

Wenn das selbst ausfüllende Textprogramm ein Wort nicht kennt, gibt es dieses nicht. Immerhin entstehen dadurch überraschende neue Assoziationen. Der «Tages-Anzeiger» hielt eine Debatte zu den Zürcher Regierungsratswahlen fest und notierte zur Frage eines Atommüllendlagers im zürcherischen Benken unter anderem: «Herr Stocker, ist das Endlager in Banken eine gute Idee?» Dieser antwortete: «Aus Zürcher Sicht sicher nicht, nein. Wer sich nicht wehrt, wird den Schwarzen Peter ziehen.» Mal von den Negativzinsen ganz abgesehen, ergänzen wir.
Jürg Fischer

Frohnatürliche

In der gleichen Zeitung lasen wir über den Musiker Clark Terry: «Der verstorbene Jazztrompeter war ein Frohgemüt.» Der lebendige Journalist wiederum ist ein begnadeter Improvisator.
Jürg Fischer

Gasgebende

Raserei ist leider ein Dauerbrenner, auch im «Zürcher Oberländer»: «Wobei er nach dem Kreisel Betzholz in Hinwil plötzlich massiv beschleunigte und mit 40 km/h zu viel über die Rampe fuhr. Was auch einer Polizeipatrouille auffiel und den Schnellfahrer einer Kontrolle unterziehen wollte.» Die Angelegenheit endete tragisch: Der Schnellschreiber verlor auf seiner wilden Fahrt ein Subjekt.
Jürg Fischer

Amüsierende

In der Theaterbeilage der «bz Basel» finden sich «fünf Fragen an Vera von Gunten, Schauspielerin, und Benjamin Stumpp, Fachmann Betriebsunterhaltung in Ausbildung». Offenbar hat das Theater Basel die Zeichen der Zeit erkannt und begegnet dem wachsenden Spardruck mit einem kostengünstigen Ausbildungskonzept: Jemand muss ja das Publikum bei Laune halten, wenn die SchauspielerInnen krank sind.
Karin Hoffsten

Aromatische

Letzthin zollte die «SonntagsZeitung» dem «ziemlich grossen Selbstbewusstsein vom Wermuth» Anerkennung. Kraeuter.ch weiss dazu: «Jewol der Wermuth ein unachtsam / gemein und jedermenniglich bekannt Kraut ist / so ist es doch bey den Alten vorköstlich / herzlich / in hohem Werth / sonderlich aber bey jhren Triumphen und heydnischen Gottsdiensten gehalten worden». Auch der zeitgenössische Wermuth wird eher im heidnischen Umfeld genossen.
Karin Hoffsten

Hormonelle

In einem Porträt des neuen «Club»-Moderators von SRF deckte «Blick Online» auf: «Scherrer plagte die Midlife-Crisis, seine Frau eine Histiamin-Intoleranz.» Das bietet einen möglichen Erklärungsansatz für dessen schwächlichen Erstauftritt, denn gerade während einer Midlife-Crisis kann es zu extremen Histiaminausschüttungen kommen.
Karin Hoffsten

Flüssige

Der «Tages-Anzeiger» erwähnte den aussenpolitischen Thinktank Foraus, «bei dem rund 800 Akademiker und Akademikerinnen zu internationalen Themen schreiben, reden und trinken», eine Aussage, die die landesüblichen Vorurteile gegen AkademikerInnen befeuern dürfte. Wir geben zu bedenken, dass auch das typisch schweizerische Vereinsleben nicht ganz abstinent verläuft und dass an der Generalversammlung des Thinktanks neben dem Apéro auch ein Abendessen gereicht wird.
Karin Hoffsten

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