Nr. 23/2015 vom 04.06.2015

Schau hin! Misch mit?

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Zumindest gedanklich liegt die Zivilcourage auf der Hitliste erstrebenswerter Eigenschaften bei vielen auf Platz eins. Aber was ist das eigentlich? Wenn ich beim Bäcker laut «Ich bin dran!» rufe? Wenn Sepp Blatter endlich, aber «stilvoll» (Guido Tognoni) zurücktritt? Dass ich mich einmische, wenn sich auf der Strasse zwei prügeln?

Letzteres stellte der «Beobachter» ins Zentrum einer Titelgeschichte, um seine Kampagne «Die Schweiz #schauthin» zu starten. SchauspielerInnen hatten in der Öffentlichkeit vorgebliche Gewaltsituationen improvisiert, um zu testen, wie PassantInnen reagieren; das nennt sich «unsichtbares Theater» und vermag starke Lerneffekte auszulösen. Im Zentrum der «Beobachter»-Geschichte standen dann die Fotos mit den Gewaltszenen und die Porträts derer, die sich couragiert eingemischt hatten.

Nur unauffällig im Text verborgen fand sich die Botschaft, auf die alle Fachleute für Gewaltprävention grössten Wert legen: Bring dich niemals selber in Gefahr! Tu was – ruf die Polizei, sprich andere an, schrei laut, merk dir, wie die SchlägerInnen aussehen –, aber geh nicht dazwischen! Es sei denn, du hältst dich für Mad Max.

Auf schauthin.ch kann man sich «mit Namen, mit einem Bild und einem kurzen Zitat zum Thema selbstloser Mut» bekennen. Dabei kriegt man wenigstens keins aufs Auge!

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