Nr. 26/2015 vom 25.06.2015

Libidinöse

Vor einigen Wochen wurden in diesem Blatt die BewohnerInnen Amdens als «Amdenerinnen und Amdener» bezeichnet. Am Ort selber nennt man sich aber, wie ein kundiger Leser weiss, Ammler beziehungsweise Ammlerin. Gefällt uns! Wir stellen uns vor, wie man sich auf der sonnigen Terrasse über dem Walensee begrüsst: «Haben Sie heute schon geammelt?»
Jürg Fischer

Mannhafte

«Er sieht aus wie ein Wissenschafter auf Wanderschaft, wie eine besonders gelungene Verkörperung des Typs ‹Professor Unrast›: Die Lesebrille weit vorne auf dem Nasenrücken, einen prallgefüllten, unförmigen Rucksack geschultert, erscheint Martin Killias zum Interview, entschuldigt sich für die Verspätung und bestellt mit betont perfektem Italienisch einen Latte macchiato.» So weit die NZZ im Intro zum entsprechenden Artikel. Wir wissen nicht, ob das Blatt den Porträtierten wissentlich mit Heinrich Manns Professor Unrat assoziiert hat, war dieser doch kein Sympathieträger. Und zumindest «betont perfektes» Italienisch kann man ja niemandem übel nehmen.
Jürg Fischer

Gefährdete

Die Zukunft des Genitivs liegt im Dunkeln. Festzustellen ist lediglich, dass man ihn zu vermeiden sucht, wie zum Beispiel auf meteo.ch: «Das Schwüleempfinden ist jedoch subjektiv sehr verschieden, beim Autor von diesem Text liegt die Schwelle beispielsweise bereits bei einem Taupunkt von etwa 12 Grad.» Oder schlicht ignoriert, wie im «Tages-Anzeiger»: «Der EMGR hält nun fest, dass die erste Vernehmung die Fairness des Prozess beeinträchtigt haben könnte.» Gewissermassen die Luxusausgabe einer Verbindung von Deppenapostroph mit Genitiv à l’anglaise liefert aber klar ein Zürcher Bettengeschäft: «Deluxum – The Art of Bed’s».
Karin Hoffsten

Gezwungene

«Keiner der Fifa-Funktionäre hat bisher einer freiwilligen Abschiebung in die USA freiwillig zugestimmt», wusste der «Blick am Abend». Nach mehrmaligem Lesen kommen wir zum Schluss, dass die Herren eine Zwangsabschiebung bevorzugen.
Karin Hoffsten

Verwechselbare I

Über den inzwischen zurückgetretenen Kommunikationschef der Fifa hiess es kürzlich im «Tages-Anzeiger», auf Fragen von JournalistInnen sei ihm «ein launischer Satz» eingefallen. Das stellen wir uns ungefähr so vor: «Ich hab keine Lust, mit euch zu reden!» oder «Frag doch nicht so blöd, du Depp!», was er natürlich nicht gesagt hat. Aber Pressekonferenzen, an denen solche Sätze fallen, verlaufen für alle Beteiligten meist recht launig.
Karin Hoffsten

Verwechselbare II

Dass wir im Inhaltsverzeichnis von «Globe», dem Magazin der ETH-Alumni, auf den Hinweis stiessen: «Ueli Maurer: ‹Ich kann nur einfache Dinge verstehen›», überraschte uns nicht. Auf der entsprechenden Seite lasen wir dann: «Ueli Maurer ist bestrebt, Sachverhalte in grösstmöglicher Klarheit darzustellen.» Stimmt auch, fanden wir, schliesslich hat der Verteidigungsminister laut NZZ gerade beim Festakt am Morgarten klargestellt: «Die Kritik an unserer Geschichte ist meistens politisch.» Allerdings gings im Magazin «Globe» um einen gleichnamigen Professor für Informatik. Dem wünschen wir jetzt, er trage nicht allzu schwer an der Bürde seines Namens.
Karin Hoffsten

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