Nr. 28/2015 vom 09.07.2015

Lahmgelegte

Die Griechenlandberichterstattung wird zunehmend zum Opfer der politischen und klimatischen Hitze. Der «Tages-Anzeiger» schrieb: «Vassiliki Thanou-Christofilou wurde zur neuen Aeropag-Chefin gewählt. Ihr Vorhänger ist im Rentenalter. Die Nachfolge löste sofort Spekulationen aus.» Den Aeropag haben wir vergeblich gegoogelt, es handelt sich nicht um eine griechische Luftfahrtgesellschaft, und wenn, dann um eine gegroundete. Wäre hingegen vom Areopag die Rede, ginge es um den obersten griechischen Gerichtshof in Athen. Der Vorhänger muss ein Funktionär sein, der buchstäblich Hängiges hinterlässt.
Jürg Fischer

Lärmempfindliche

In der Buchbeilage der «NZZ am Sonntag» war vor kurzem Wissenswertes über Churchill in der Schweiz nachzulesen, unter anderem, «dass er sich auf der Riederfurka über das Geläut der Kuhlocken ärgerte». Käme der grosse Staatsmann heute zu Besuch, würde ihn wohl erst recht das Grausen packen ob all der frisierten Rindviecher.
Jürg Fischer

Lernempfindliche

Überhaupt dieser Lärm in den Alpen. Der «Tages-Anzeiger» rezensiert ein Kinderbuch: «Das kleine Murmeli erwacht nach dem Winterschlaf neben seiner schnarchenden Mutter, weil ihm ein seltsamer Duft in die Nase steigt: der Duft des Frühlings. Grossvater lernt es pfeifen, es begegnet seltsamen zweibeinigen Wesen, die in der Regel harmlos sind, wie sein Grossvater sagt.» Harmlos sind sie, solange sie nur die Verben durcheinanderbringen.
Jürg Fischer

Leidgeprüfte

Wie lässt die «Zuger Woche» einen hoffnungsvollen Jungsportler sprechen? «Ausserdem wollte ich an dieser WM gute Leistungen bringen und irgendeinmal in meiner Karriere möchte ich eine leittragende Figur in der Nationalmannschaft sein.» Spätere Karriere als Seelenklempner nicht ausgeschlossen.
Jürg Fischer

Missverständliche

Kaum hatte das «Bieler Tagblatt» über den «Richtplan der verkehrsflanierenden Massnahmen der A5-Umfahrung Biel» berichtet, kam es zu einem sehr bedauerlichen Unfall: «Alkoholisierte 72-jährige kollidiert mit parkiertem Auto». Das Flanieren ist nun mal ausschliesslich in Autobahnnähe und nicht auf Parkplätzen gestattet.
Karin Hoffsten

Zweckdienliche

Der «Tages-Anzeiger» deckte kürzlich auf, was sich hinter manch altgedienten, um nicht zu sagen abgehalfterten Formulierungen verbirgt. Die Enttarnung des «Charmeurs alter Schule» als «seniler Macho» entzückte uns geradezu. Dank einer reizenden jungen Journalistin bleibt uns der einschlägige Jargon allerdings erhalten. Sie schrieb tags darauf in der gleichen Zeitung: «Kommt dazu, dass ein Overall durchaus auch für Männer Vorteile hat: Ein Handgriff genügt, und schon ist die Frau ausgezogen.» Senile und juvenile Machos wirds freuen.
Karin Hoffsten

Herumgeschobene

Am Dienstagnachmittag meldete «NZZ Online» einen «Wasserohrbruch in Zürich-Höngg», der in der nächsten Zeile zum «Wasserrohbruch» wurde. Dem r wars egal – Hauptsache nass!  
Karin Hoffsten

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