Nr. 32/2015 vom 06.08.2015

Ferien bei Humpendrums

Von Stephan Pörtner

Im lauschigen Lüpfental, wo immer ein frisches Windchen wehte, erlebte der Tourismus einen nie gekannten Aufschwung, obwohl es dort keinerlei Attraktionen gab, nur das Wirtspaar Humpendrum, das unter einer währschaften Gastung verstand, die Fremden karg zu verpflegen und ihren Aufenthalt im Innern des Hauses tagsüber streng zu verbieten. Darum sassen die weit gereisten, daheim von Hitze, Wechselkursschwankungen und Zukunftsängsten geplagten VorstädterInnen am äusserst durchschnittlichen Dorfbach oder spazierten ins Nachbardorf, wo es ein Café gab, dessen Öffnungszeiten jedoch auf reiner Willkür basierten. Bereits nach vier Tagen waren die TouristInnen derart durch den Wind, dass sie nie mehr woanders Sommerferien machen wollten.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch