Nr. 40/2015 vom 01.10.2015

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Mitbewohnte

Kommas sind klein, aber oho, wir sagen es immer wieder. Wenn srf.ch über einen Architekten schreibt: «Hier lebt er mit seiner Frau, einer freischaffenden Künstlerin und seinem 15-jährigen Sohn», sagen wir, ein Komma am richtigen Ort würde die Familienverhältnisse wahrscheinlich entspannen, zumindest vereinfachen.
Jürg Fischer

Beigemischte

Doch nicht überall braucht es eines, ein Komma. Eine Publireportage im «SonntagsBlick» titelt: «Ohne sie, läge alles im Müll». Gemeint sind die MitarbeiterInnen des Projekts «Tischlein deck dich», die nicht mehr verkäufliche, aber einwandfreie Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Wie in der Küche allgemein gilt: Eine kleine Reduktion schmeckt uns besser. Das Komma kann kompostiert werden.
Jürg Fischer

Transidentische

Nicht genug damit, dass wir von der Gattung Homo sapiens oft nicht wissen, wer oder was wir sind; auch Tieren reicht ihr angestammtes Selbstbild offenbar nicht mehr. Oder wie verstehen Sie diese Passage aus einer Medienmitteilung der Universität Basel über schuppenfressende Buntbarsche? «‹Der Schuppenfresser verfolgt die Strategie eines Wolfes, der sich als Schaf verkleidet, um sich dann aber an Ziegen und Kühe heranzumachen›, fasst Studienleiter Prof. Walter Salzburger die Ergebnisse zusammen.» Wir raten den WiederkäuerInnen, vorsichtshalber die Nähe von Wasserlöchern zu meiden.
Jürg Fischer

Sportliche I

«Der FC Sion verliert zuhause gegen den Tabellenletzten FC Vaduz eine 0:1-Niederlage. Dies obwohl die Walliser eine Halbzeit lang in Überzahl spielen können», meldete «NZZ Online». WOZ-Leser M. freute sich, dass die Walliser – vermutlich dank ihrer Überlegenheit – die Niederlage wenigstens nicht behalten mussten.
Karin Hoffsten

Sportliche II

«Belinda Bencics erste Brille», hiess es im «Tages-Anzeiger», was uns als Tennisungeübte fragen liess, auf welche Art die junge Sportlerin denn bisher die Bälle getroffen hat. Durch Tasten? Nach dem Geruch? Von TenniskennerInnen erfuhren wir, dass die Branche zwei Satzgewinne zu null als «Brille» bezeichnet. Das bedauernswerte Wesen, das die «Brille», die man auch «zwei Löcher» nennt, kassiert, findet das übrigens gar nicht lustig.
Karin Hoffsten

Luzide

«Schon heute finden an der Tankstelle, am Bankomaten oder in Traum und Bus haufenweise Videoüberwachungen statt», lasen wir im «Klein Report». Offenbar kommt das Referendum gegen das neue Nachrichtendienstgesetz schon zu spät! Wir raten: Hüten Sie Ihre Träume, und unterschreiben Sie trotzdem!
Karin Hoffsten

Radikale

Laut «NZZ Online» fordern CVP, FDP, GLP und SVP für MieterInnen städtischer Wohnungen in Zürich: «Beim Einzug soll gemäss ihrem Vorschlag das steuerbare Einkommen maximal einen Viertel der der Bruttomiete betragen.» Wer käme schon angesichts dieser Forderung nicht ins Stottern?
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch