Nr. 44/2015 vom 29.10.2015

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Gesharte

«Francesco, fotografiert in Zürich, Foto schneller geteilt, als Gewinn gemacht» und «Henoch, fotografiert in Zürich, Foto schneller geteilt, als das Brot knusprig gebacken» sind die Legenden zu zwei Porträts der entsprechenden Personen, die der fotografierende Musiker Bryan Adams geschossen hat und die Teil einer Swisscom-Werbekampagne sind. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob das jeweilige Komma vor «als» ein Deppenkomma ist oder ob es sich grammatikalisch gesehen als Teil einer Ellipse rechtfertigen lässt. Hauptsache, wir wurden durch solcherlei Erwägungen vom Inhalt abgelenkt; der ist nämlich ziemlich gaga.
Jürg Fischer

Krimischnelle

Was wir immer wieder gerne lesen, sind Ferrari-Testberichte, zum Beispiel im «Tages-Anzeiger»: «So spurtet das zweisitzige Sondermodell tdf in 2,9 statt 3,1 Sekunden auf Tempo 100. Bis Tempo 200 – gut für Autoquartett-Spieler – vergehen nur noch 7,9 statt 8,5 Sekunden. Und wer den Mut oder eine private Strecke besitzt, der schafft eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 340 Stundenkilometern.» Was hier mutig genannt wird, taxieren andere eher als dummdreist. Aber die «Tages-Anzeiger»-Leserschaft setzt sich wohl mehrheitlich aus BesitzerInnen privater Strecken zusammen.
Jürg Fischer

Wirtschaftsfreundliche

«Das Verhältnis zwischen Kosten und Aufwand soll in dieser Zeit von 68 Prozent auf 56 Prozent sinken», meldete der «Bund», doch leider sind wir ökonomisch nicht allzu beschlagen und wissen nicht, ob dies gut oder schlecht ist. Hauptsache, das Verhältnis von Nutzen und Ertrag ist kein Nullsummenspiel.
Jürg Fischer

Unsichtbare

Die «SonntagsZeitung» wusste: «Eine Wohnung muss Rückzugsmöglichkeiten bieten. Notfalls helfen Vorhänge. In einer Studie wählten ausgerechnet die extrovertiertesten Personen die blickdichtesten Vorhangstoffe.» Während die Introvertiertesten einmal mehr die Abwesendsten waren.
Jürg Fischer

Fügsame

Den Schlüssel zu ihrer Wählbarkeit sehen SVP-PolitikerInnen offenbar neuerdings im zutiefst christlichen Wesenszug der Demut. So suchte Christoph Mörgeli die Gründe für seine Abwahl auf «Tele Züri» mittels Selbstanalyse zu erhellen: «Demüetig bin ich waarschiinlich vo mim Naturell her nöd in erschter Linie, da’sch nöd mini Hauptschtärchi.» Samuel Balsiger hingegen, Zürcher Nachwuchs-SVP-Gemeinderat, geht geschickter zu Werke, um seine noch junge Karriere nicht zu gefährden, und versprach dem geneigten Wahlvolk im «Tagblatt der Stadt Zürich»: «Die Volkspartei wird die Verantwortung mit Demut übernehmen.» Wers glaubt, wird selig.
Karin Hoffsten

Mittelalterliche

Im selben Blatt meinte Markus Somm, Chefredaktor der «Basler Zeitung», auf die Frage, weshalb er sich künftig Woche für Woche mit Roger Schawinski in dessen Radio 1 streiten wolle: «Es ist doch interessant sich mit einem grossen Medienmann wie Roger Schawinski, der in den vergangenen 400 Jahren sehr viel Gutes tat für die Schweizer Medienlandschaft, zu messen. (…) Man muss sich also keine Sorgen machen, dass es hier zu einer voreiligen Versöhnung kommt.» Und die Vertreter der römischen Kurie brauchen schliesslich noch viel länger.
Karin Hoffsten

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