Nr. 46/2015 vom 12.11.2015

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Gnadenlose

Wenn es ans Eingemachte geht, darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. So schreibt die NZZ: «Wenn VW jetzt eingesteht, dass es bei diversen Diesel- und einem Benzinmotor den Verbrauch zu tief angesetzt hat, geht das direkt ans Portemonnaie der Kunden (selbst wenn der Konzern höhere CO2-abhängige Autosteuern ausgleichen sollte). Spätestens aber, wenn es ums Geld geht, verstehen nicht nur deutsche Kunden kein Pardon.» Auch wir, obwohl wir nicht VW fahren, kennen da keinen Spass.
Jürg Fischer

Flugängstliche

Nach verschiedenen aussergewöhnlichen Flugzeugunglücken in letzter Zeit brauchen wir kein weiteres Horrorszenario, um uns den nächsten Flug gut zu überlegen. Doch der «Tages-Anzeiger» setzt mit folgender Bildlegende noch einen drauf: «Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Eine Boeing 737–800 der Qantas fliegt durch eine Schlachtwetterfront Richtung Sidney.» Früher nannte man so etwas Himmelfahrtskommando.
Jürg Fischer

Vegetierende

«Schweizweit wird jährlich pro Kopf über 50 Kilogramm Fleisch gegessen. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergab nun, dass pro 50 Gramm Wurst, Schinken oder Speck das Risiko für Darmkrebs um 18 Prozent steigt.» Diese Ankündigung der NZZ zur letztwöchigen «Arena» von Fernsehen SRF lässt uns etwas ratlos zurück. Wie viel durch wen von was in welchem Zeitraum? Es gibt da Informationslücken. Sicher scheint uns einzig, dass mit jeder Wurst die Sterblichkeit der betroffenen Tiere um hundert Prozent zunimmt.
Jürg Fischer

Transgendernde

«In der Mongolei ist Improvisation der König», war in der letzten WOZ zu lesen, was Leserin F. kritisierte. Wiewohl die Formulierung an und für sich korrekt sei, lasse sie es an grammatischer Kongruenz fehlen. Wir geben ihr recht: Improvisation wäre demnach die Königin. Sie ist ja auch ein Fach, so wird gesagt, das von Frauen im Allgemeinen besser beherrscht wird.
Jürg Fischer

Historische I

Im Text über die Autonome Schule Zürich erinnerten wir letzte Woche nicht nur an längst vergangene Zeiten, als noch das farbige Wohlgrothareal neben den Gleisen Zugreisende aus aller Welt in «Zureich» begrüsste, sondern auch an Ursula Koch, die damalige Vorsteherin des Zürcher Hochbauamts, die zwar eine äusserst markante Politikerin, aber nicht – wie behauptet – Stadtpräsidentin war. Eine solche erhielt die Stadt erstmals mit der amtierenden Corine Mauch. Wir bitten um Nachsicht, freuen uns aber gleichzeitig daran, wie viele Menschen inzwischen an der WOZ mitschreiben, die zu jung sind, um sich auf eigenen Beinen in der Wohlgroth getummelt zu haben.
Karin Hoffsten

Historische II

Um weit grössere Zeiträume gings in einer Reportage des «Tages-Anzeigers» über Nordkoreas Bemühen, wirtschaftlich China nachzueifern – zumindest in Pjöngjang, denn: «Sobald man die Hauptstadt verlässt, fällt man ins vorletzte Jahrhundert.» Ein Foto zeigt ein Bauernpaar mit Ochs, Egge und Karren. Das muss der zuständigen Person so vorsintflutlich vorgekommen sein, dass sie die Szene laut Bildlegende «ins vorletzte Jahrtausend» verlegte. Man sollte diesen «Tagi» dringend vor Kim Jong Un verstecken.
Karin Hoffsten

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