Nr. 49/2015 vom 03.12.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Bildgewaltige

Wenn eine Zeitung organisiert und dieses ankündigt, sei es ihr gestattet, aus dem Vollen zu schöpfen, etwa dem «Tages-Anzeiger» zu dem von ihm veranstalteten Klavierabend mit einer russischen Pianistin: «Mit ihrem unbedingten Willen zur Gestaltung errang die junge Russin den 1. Preis des Concours Géza Anda 2012 und erobert seither die internationalen Konzertpodien. Die Moskauerin erinnert an die Naturgewalten einer Martha Argerich. Eine Latte, die sehr hoch gelegt ist, aber sehr zutreffend ins Schwarze zielt.» Da sind auch wir zuversichtlich, dass sie die Hürde meistern wird und die Flinte überspringen lässt.
Jürg Fischer

Konkretisierende

In einem Interview der NZZ mit dem SVP-Bundesratskandidaten Thomas Aeschi sagt der Befrager: «Aktionen wie der Slogan ‹Kosovaren schlitzen Schweizer auf› tragen kaum zum Zusammenhalt des Landes bei», worauf Aeschi antwortet: «Ich habe das Inserat so gelesen, dass es sich um ein konkretes Verbrechen gehandelt hat. Es ist eine Unterstellung, dass damit pauschal eine ganze Bevölkerungsgruppe verunglimpft worden wäre.» Die NZZ hakt dann nicht mehr nach, deshalb erlauben wir uns die Analogie «SVP stellt Rotzlöffel auf» und meinen damit nicht sämtliche infrage kommenden Kandidaten, sondern genau diesen einen.
Jürg Fischer

Duplizierte

In der letzten WOZ wurde vermeldet: «In der Vereinigten Bundesversammlung (…) haben SP, CVP, BDP, GLP, EVP, Grüne und PdA zusammen übrigens 226 Sitze, die Ratsrechte mit SVP, FDP, Lega und MCG 220.» Hierbei handelt es sich um eine Art Hochrechnung, die dem Traum von einer noch viel direkteren Demokratie entsprungen ist: Alle nach Bern!, aber einen rechten Sesseltanz zur Folge hätte. Tatsächlich bringt es die Vereinigte Bundesversammlung auf mickrige 246 Sitze.
Jürg Fischer

Ihre I

An der Demonstration des Schweizer Bauernstands letzte Woche fielen uns nicht nur die Plakate ins Auge, die die geplanten Budgetkürzungen den Flüchtlingen anlasteten, sondern auch jenes, auf dem stand: «Qualität hat seinen Preis». Bedauernd registrierte WOZ-Leser M., dass «jetzt in Bauern- und SVP-Kreisen auch noch die weiblichen Possessivpronomen zu kurz kommen».
Karin Hoffsten

Ihre II

Zuerst dachten wir ja, die Diskriminierung reiche weit übers bäuerliche Milieu hinaus, als die Sendung «10 vor 10» über eine Homestory der «Schweizer Illustrierten» mit dem Zuger Bundesratskandidaten berichtete: «Da präsentiert sich Aeschi als bodenständige, gesellige Person, die durchaus auch seine menschlichen Seiten hat.» Doch da zu Aeschis menschlichen Seiten gehört, freudestrahlend mit Kirsch und K.-o.-Tropfen zu posieren, hat sich das weibliche Possessivpronomen hier wohl schlichtweg der Verwendung verweigert.
Karin Hoffsten

Desavouierte

«Statt einem Wegweiser prangert auf dem Flüelapass seit kurzem eine Selfie-Posten, darauf die Aufforderung, ein #swissselfie zu schiessen», meldete «20 Minuten» kürzlich. Und weil da auf den allerersten Blick ein #scheissselfie prangt, ist es nur richtig, es anzuprangern.
Karin Hoffsten

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