Nr. 52/2015 vom 24.12.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Skrupellose I

«20 Minuten» berichtet: «Die chinesischen Behörden haben die Zahl der Toten beim Erdrutsch in Shenzen auf mindestens 91 erhöht.» Wüssten wir nicht den chinesischen Geheimdienst auf unseren Fersen, würden wir schlicht sagen: Mörderbande!
Jürg Fischer

Skrupellose II

Dem Viseca-Kreditkarten-Newsletter entnehmen wir folgende Warnung: «Wichtige Informationen zu Phishing und Betrugsversuchen: Regelmässig versuchen Betrüger unsere Kunden-E-Mailings für Phishing-Attacken zu missbrauchen. U.a. erkennen Sie Phishing E-Mails an folgenden Merkmalen: Es wird behauptet Ihre Karte oder ihr Login wurde gesperrt – Sie werden aufgefordert Ihre Kreditkartendetails preis zu geben – Die Texte enthalten häufig Rechtschreibfehler.» Besonders Letzteres ist oberfies: Der Unterschied zum Original ist nämlich nicht mehr zu erkennen.
Jürg Fischer

Forschende

Der «Beobachter» berichtete über eine Studie des Gottlieb-Duttweiler-Instituts zu den vier Phasen des Luxus: «1. Die Kindheit (infantile Phase). Sie ist geprägt von einem Konsumhunger. Sinnbildlich nimmt der kleine Konsument alles, womit er ‹gefüttert› wird, nach dem Prinzip: ‹Mehr ist mehr›. Geschenktipps von Martina Kühne, die zu dieser Phase passen: eine goldene Rolex, funkelnde Svarovski-Steine, die neuste Louis-Vuitton-Handtasche.» Ei der Daus!
Karin Hoffsten

Phobische

In der «SonntagsZeitung» empfahl Bettina Weber einladenden LeserInnen, ihre Gäste unbedingt beschuhten Fusses in die Wohnung zu lassen. Sensiblen riet sie: «Sollten Sie unter einer Hygienephobie leiden, drücken Sie Ihren Gästen einen Desinfektionsspray in die Hand, mit demselben sie ihre Schuhsohlen einsprühen sollen (…).» Personen mit der genannten Beeinträchtigung raten wir eher, ein Döslein Hundekacke bereitzuhalten.
Karin Hoffsten

Verkannte

Es stand zweimal in der NZZ, erst in einer Kritik zum «Tatort»: «Drahtig und distanziert schlackst Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) seit je durch ihr Leben», danach in einer Hymne auf den Musiker Benjamin Clementine: «Meist haben die Techniker dann ihre Schwierigkeiten, den passenden Klavierschemel für den langgliedrigen Schlacks zu finden.» Im Interesse der genannten Personen erlauben wir uns höflich den Hinweis, dass der Duden das, was Folkerts und Clementine eint, «schlaksig» nennt. Einen «Schlack» kennt der Duden als «breiige Masse», und selbst das Adjektiv «schlack» für «träge, schlaff» ist ihm nicht fremd. Geht man so mit KünstlerInnen um?
Karin Hoffsten

Gebogene

Der «Tages-Anzeiger» hatte es mehr mit den Verben: «Am Ende, kurz bevor die Chefin Einhalt gebat, johlten die Abgeordneten sogar», doch Frau Merkel gebot. Und das passive Verhalten der Wirtschaftsverbände wurde so beschworen: «Bei jeder Umverteilungsvorlage der Linken wird der Untergang des ‹Erfolgsmodells› beschwört», während gegenüber der «Durchsetzungsinitiative» Stillschweigen herrsche. Zum Glück haben Verbformen keinen Einfluss aufs politische Geschehen, doch korrekt angewandt wärmen sie das Herz. Schliesslich ist Weihnachten.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch