Nr. 04/2016 vom 28.01.2016

Netzpionierin

«Künstlerin war ich gerade drei Wochen lang. Als ich an der Konferenz ‹Metaforum III› in Budapest mein Web-Projekt ‹My Boyfriend Came Back from the War› präsentierte, wurde ich eine berühmte Netz-Künstlerin», so erinnerte sich die russische Künstlerin Olia Lialina im Jahr 2000 in einem Text in der Kulturzeitschrift «Du». Die Konferenz hatte vier Jahre zuvor stattgefunden, Lialina war damals vor allem als Journalistin und Mitbegründerin des experimentellen Kinoklubs Cine Fantom in Moskau bekannt. Das Internet war noch in den Kinderschuhen, und sie war eine der Ersten, die den Webbrowser als Ausdrucksmittel erkannten.

In ihrer Arbeit «My Boyfriend Came Back from the War» erzählt Lialina in Schwarzweissbildern, Gif-Animationen und Texttafeln die Geschichte zweier Menschen, die versuchen, über einen vergangenen Krieg zu reden. Es stehen Links zur Verfügung, auf die man klicken kann und die entscheiden, wie das Gespräch zwischen den ProtagonistInnen weitergehen soll.

Das Haus der elektronischen Künste zeigt nun das Pionierwerk, das dieses Jahr sein Zwanzigjahrjubiläum feiert, auf einem Computer aus den neunziger Jahren und ergänzt es mit Arbeiten von KünstlerInnen, die sich im weitesten Sinn auf Lialinas Werk beziehen. Lialina selber sammelt diese Werke seit Jahren und hat nun dreizehn für die Ausstellung in Basel ausgewählt. Dabei sind unter anderem Arbeiten von Inbal Shirin Anlen, Masha Boriskina, Vadim Epstein und Anna Russett.

«MBCBFTW. My Boyfriend Came Back from the War. online since 1996» in: Basel Haus der elektronischen Künste, bis So, 20. März 2016. www.hek.ch

Silvia Süess

Unveröffentlichtes

Ihren ersten Erzählband publizierte die 1929 geborene Helen Meier mit 55 Jahren. Seither ist sie der ewige Geheimtipp der Schweizer Literatur. Als Meisterin der kurzen Form kann sie es locker mit den Grossen des Fachs aufnehmen. Nun hat der Zürcher Xanthippe-Verlag unter dem Titel «Die Agonie des Schmetterlings» unveröffentlichte Texte aus früheren Jahren in einem Buch zusammengefasst, aus der Zeit, als Meier in der Flüchtlingshilfe und als Sonderschullehrerin arbeitete. Trotz vieler Anläufe fand sie damals jahrzehntelang keinen Verlag für ihre Geschichten, in denen hinter unauffälligen Fassaden und Sätzen unerhörte Gefühle, heimliche Perversionen und wilde Gedankenwelten explodieren. DJ

Lesung aus «Die Agonie des Schmetterlings. Böse Geschichten» und Gespräch mit der Autorin Helen Meier in: Zürich Literaturhaus, Di, 2. Februar 2016, 19.30 Uhr. www.literaturhaus.ch

Daniela Janser

Neue Räume erschliessen

Zum fünften Mal wagen Berner KünstlerInnen eine «Versuchsanordnung» – so nennt das Kunstprojekt «transform» die von ihm organisierten Aktionen, die regelmässig an unterschiedlichen Orten der Stadt stattfinden. Dabei geht es stets darum, neue Räume zu entdecken, diese anders zugänglich zu machen und zu verwandeln.

Für die fünfte «Versuchsanordnung» lädt «transform» die BesucherInnen in den Westen der Stadt ein, ins Quartier Holligen. Den Startschuss macht ein Fest auf dem Europaplatz mit der Showband Specknockerl, anschliessend experimentieren rund dreissig KünstlerInnen während zweier Wochen im Quartier. Was dabei herauskommt, ist an Führungen zu besichtigen – und hoffentlich auch im gewöhnlichen Alltag.

«transform»: «Versuchsanordnung 5» in: Bern Holligen, Eröffnungsfest auf dem Europaplatz am Fr, 29. Januar 2016, ab 18 Uhr. www.transform.bz

Silvia Süess

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