Nr. 04/2016 vom 28.01.2016

Schweigsame Champions

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Kennen Sie den Werbespot mit Roger Federer als Actionheld? Die Stunts macht er selber, und dass er nichts aufsagen muss – «Latte macchiato, bitte, gemahlen, nicht gekapselt!» oder so –, sondern bloss von Dächern und durch Glasscheiben springt, ist von Vorteil. Der Executive Director Marketing der beworbenen Telekommunikationsfirma weiss, warum diese einen Haufen Geld investiert: «Roger zählt ganz klar zu den Personen, die in der Schweiz am meisten Sympathie und Vertrauen geniessen.»

Doch unter den 200 Prominenten, die sich jetzt namentlich gegen die sogenannte Durchsetzungsinitiative engagieren, findet sich ausser einem Eishockeyspieler keinE SportlerIn, von Roger Federer ganz zu schweigen. Dabei gilt er als heimatverbunden, obwohl er zwei Pässe hat und sein Geld global verdient; seine Mutter kommt aus Südafrika, Gattin Mirka wanderte als Zweijährige mit den Eltern aus der Slowakei ein; und für dumm halte ich ihn auch nicht; doch der Weltbürger beherzigt eisern die Regel, zur Politik hätten SportlerInnen zu schweigen.

Vielleicht ist es auch besser so. Vielleicht ist ihm die Entrechtungsinitiative komplett egal, oder er befürwortet sie gar? Denn wer alle Tassen im Schrank hat, stimmberechtigt ist und diese antidemokratische Initiative dennoch ignoriert, stimmt stillschweigend zu.

Ob sportlich oder nicht – machen Sies anders!

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