Nr. 08/2016 vom 25.02.2016

Pornoliberalismus

Von Karin Hoffsten

Es ist mir keine dringende Herzensangelegenheit, doch was kürzlich in der NZZ stand, berührt halt die grossen Fragen des Lebens: Krankheit, Tod, Sex und Geschäft. «Wider Kondome in Pornofilmen» las ich da, wobei mir «wieder Kondome» besser gefallen hätte.

Nachdem einige PornodarstellerInnen in Kalifornien HIV-positiv getestet worden waren, wurde behördlich vorgeschrieben, dass die männlichen beim Dreh Kondome tragen müssten. Jetzt wehrte sich die Branche erfolgreich vor Gericht: «Zuschauer würden Präservative in Pornofilmen nicht akzeptieren», und Ansteckungen beuge man ja mit regelmässigen HIV-Tests vor. Aha.

Nun gehöre ich zwar nicht zur engsten Zielgruppe, könnte mir aber durchaus Pornos mit Präservativ vorstellen. Zudem verstehe ich offenbar unter Gefährdung etwas völlig anderes als beispielsweise Pornodarstellerin Maxine Holloway, die das Gericht laut «NZZ Online» anflehte: «Ich bitte Sie, diese Grundsätze nicht zu billigen, die mich und meine Kollegen gefährden würden», womit sie die Kondompflicht meinte. Alle fürchten den Zusammenbruch der Milliardenindustrie.

Nur in einem Punkt gehe ich mit dem Widerstand der DarstellerInnen völlig einig: Die neue Verordnung hätte zwingend auch das Tragen von Schutzbrillen beinhaltet. HIV-Prävention geht in der Pornobranche eindeutig voll ins Auge.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch